Veterinärmedizin: Das Dorf in der Stadt

von Joachim Faust (joachim) am 30.11.2009

Ein Ort der Ruhe in der Tierarzneischule

Foto: Das Zugangsgebäude an der PhilippstraßeEinen Rundgang beginnt man am besten an der Pforte an der Philippstraße, im Schatten des Charité-Bettenhochhauses. Hier betritt man Universitätsgelände. Es überrascht, wie ländlich dieses Areal mitten in einer Großstadt anmutet. Der wasserlose Pankegraben war hier nicht verrohrt, weil entsprechende Planungen in den 1980er Jahren von Studierenden und Universitätsmitarbeitern verhindert wurden. Die zahlreichen kleinen Brücken zwischen den einzelnen Gebäuden der verschiedenen Universitätsinstitute lassen einen fast vergessen, dass hier im Moment noch kein Pankewasser fließt. Dieser alte Mündungsarm der Panke wurde ab 1961 von der heutigen Panke abgetrennt, soll aber in den nächsten Jahren wieder reaktiviert werden. Heute befindet sich allenfalls Regenwasser im Flussbett.

Links und rechts der Alten Panke werden die einzeln stehenden Gebäude, die zuweilen an landwirtschaftliche Gebäude erinnern, sowohl von der Humboldt- als auch von der Freien Universität genutzt. Zwei Jahrhunderte lang war in diesen Gebäuden die Veterinärmedizinische Fakultät untergebracht, die inzwischen auf dem FU-Gelände in Düppel konzentriert wurde. Bis in die 1990er Jahre lebten hier zahlreiche Tiere in Stallungen, sogar eine Pferdekoppel gab es. Statt der Veterinärmedizin sollen einige weit verstreut liegende Institute der HUB auf dem Gelände zusammengefasst werden.





Foto: Hinter einem Bauschild verbirgt sich das Anatomische TheaterDas 1790 von Carl Langhans gebaute Anatomische Theater befindet sich an dem rechterhand gelegenen größeren Platz in Haus A. Der Pankelauf, der sich nun anschließt, ist erst seit 2006 wieder vollständig freigelegt und neugestaltet worden. Der Graben verläuft windungsreich, teilweise zwischen verklinkerten Seitenwänden. Der Weg verengt sich; rechterhand befinden sich die Probebühne des Deutschen Theaters und der Schulhof eines Oberstufenzentrums. Nach einem letzten Engpass, bei dem der Weg über einen Balkon geführt werden musste, weitet sich der Pankegraben wieder. Wo die Panke wieder in einem Rohr verschwindet, gehen wir weiter zwischen den Gebäuden hindurch.

(Sonntags und abends kann das Metalltor verschlossen sein. Halten Sie sich in diesem Fall einfach links und biegen Sie nach einigen Metern rechts in die Straße ein. Folgen Sie ihr bis zu ihrem Ende. An der Reinhardtstr. 2 kommen Sie über einen Hausdurchgang heraus. Halten Sie sich rechts in der Reinhardtstraße und gehen Sie bis zur Hausnummer 17.)


Zugemauert und verrohrt - das (fast) unsichtbare Ende der Südpanke

Foto: Idyllisch im Grünen gelegene InstitutsgebäudeAuf der rechten Seite steht der Betonkoloss eines Hochbunkers, der heute als Ausstellungsort für die Kunst-Sammlung Boros bekannt ist. Unter der neu gestalteten Promenade kann man die Anwesenheit der Panke nur erahnen. Wer aber die Reinhardtstraße überquert, kann zwischen den Hausnummern 17-19 eine Baulücke erkennen, in der noch ein Brückengeländer in der betonierten Fläche steht. Hier war die Panke bis 1987 noch, eingezwängt zwischen den Häusern, zu sehen, bis sie zugeschüttet wurde. Wir gehen die Reinhardtstraße links entlang und biegen rechts ab in die Straße "Am Zirkus". Hier wurde die Panke beim Zirkusbau vor 130 Jahren noch einmal verlegt. Die alte Mündung der Panke am Schiffbauerdamm 4, vor dem Berliner Ensemble, ist hinter einer Eisenwand nur noch für den zu erahnen, der die Geschichte dieses Flusses kennt.

 

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