Soldiner Kiez: Rund um den höchsten Kirchturm weit und breit

von Joachim Faust (joachim) am 30.11.2009

Verschrieener Kiez mit alter Bausubstanz

Das ehemalige Umspannwerk ChristianiaDem Soldiner Kiez, der ein Beispiel für eine behutsamere Sanierung eines Altbauviertels abgibt - im Unterschied zum benachbarten Brunnenviertel - nähert man sich in der Regel von der Ecke Osloer Straße / Prinzenallee. Bereits das Eingangstor zum Kiez ist beeindruckend: Im Hintergrund ragt der 80 Meter hohe Turm der neogotischen Stephanuskirche in die Höhe, während links ein bedeutendes Baudenkmal aus Backstein und rechts ein repräsentatives Eckhaus steht. Bei dem Backsteinbau handelt es sich um ein ehemaliges Umspannwerk der BEWAG, das heutige Kulturwirtschaftliche Zentrum "Christiania".












Foto: Blick über die Wilhelm-Hauff-Grundschule in Richtung Osloer StraßeEs lohnt sich, die Prinzenallee entlangzulaufen: die erste Querstraße links, die Gotenburger Straße, beeindruckt schon mit dem langgestreckten Backsteinbau der Wilhelm-Hauff-Grundschule. Die nächste Querstraße rechts ist jedoch ein besonderer Anblick: die Biesentaler Straße. Diese Straße ist in ihrer Geschlossenheit ein besonders gutes Beispiel der gründerzeitlichen Architektur des Berliner Nordens. Die Häuser sind größtenteils in den 1870er Jahren errichtet worden und besitzen überwiegend klassizistische Fassaden. Typisch sind auch die häufig verwendeten turmartigen Aufsätze sowie die mittig angeordneten Haustüren.




Foto: Haus Nr. 58 in der PrinzenalleeAm Ende der Biesentaler muss man links in die Wriezener Straße hineingehen: ein Blick auf die Villa Schott in der Hausnummer 10-11 sollte nicht vergessen werden: die 1881 errichtete Fabrikantenvilla konnte in ihrem klaren klassizistischen Stil glücklicherweise erhalten werden. Biegt man in die Soldiner Straße links ein,
 ist die neugotische Stephanuskirche an der Ecke Soldiner Straße nicht zu übersehen. Die 1904 errichtete evangelische Kirche dominiert das Viertel mit ihrem 80m hohen Turm. Sie besitzt einen recht ungewöhnlichen kreuzförmigen Grundriss und ist innen sehr reich dekoriert. Insbesondere der bronzene Hängeleuchter mit seinem mehrere Meter breiten Durchmesser beeindruckt den Besucher.

Nun geht es zurück in die Prinzenallee, indem man nach links einbiegt. Gegenüber der Kreuzung Biesentaler Str./Prinzenallee ist dem Beobachter vielleicht schon das gründerzeitliche Häuserensemble der Hausnummern 57-59 bewunaufgefallen. Es handelt sich bei Hausnr. 58 um das Vorderhaus einer sich über mehrere Höfe erstreckenden Hutfabrik (Hutfabrik Gattel). Es lohnt sich, die offen zugänglichen Höfe zu durchstreifen.





Foto: Die StephanuskircheAn jedem letzten Freitag im Monat verwandelt sich der Soldiner Kiez, der von allen Berliner Wohngebieten mit die schlechteste Sozialstruktur hat, in eine große Galerie. Im Rahmen der "Kolonie Wedding" öffnen die vielen Künstler und Galeristen ihre Ladenräume und Ateliers - mit einem neuen Programm in jedem Monat. Mehr Infos und das aktuelle Program dazu gibt es im Internet.

Wer jetzt noch ein wenig Zeit hat, sollte die Prinzenallee noch ein paar Meter bis hinter die Stephanuskirche entlanggehen. Wo sich der Straßenname nahe der ehemaligen Berliner Stadtgrenze in Wollankstraße ändert, ist an der Hausnummer 66 der Eingang zu dem 17 Hektar großen Friedhofsgelände des St.Elisabeth- bzw. Sophienkirchhofs. Das Friedhofsportal und das im Schweizerhausstil errichtete Verwaltungsgebäude von 1875 sind allein schon eine Beachtung wert. Wer sich gleich links hält, kann an der Wand vier Erbbegräbnisstätten entdecken. Auch die beiden klassizistischen Friedhofskapellen rechtfertigen einen kleinen Rundgang über den Friedhof.

Ein wenig Glamour hat der Kiez aber auch zu bieten: in der Stockholmer Straße ist der Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke (1929-2005) aufgewachsen. In der Stephanuskirche hatte er seinen ersten Auftritt: beim Krippenspiel... 

Weiterführende Informationen:

Website des Quartiersmanagements Soldiner Straße

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