Schloss Schönhausen: Palast für machtlose Herrscher

von Joachim Faust (joachim) am 30.11.2009

1691 wurde das im 13. Jahrhundert gegründete Straßendorf Niederschönhausen von Kurfürst Friedrich III erworben. Ab 1870 siedelten sich immer mehr wohlhabende Berliner im Dorf an, wovon heute noch zahlreiche Villen Zeugnis ablegen. Die Dorfkirche wurde um 1870 im neoromanischen Stil auf der Grundlage eines mittelalterlichen Sakralbaus errichtet.

Foto: das wiedereröffnete Schloss SchönhausenHerausragendstes Baudenkmal ist das Schloss Schönhausen mit dem Schlosspark, der von der Panke durchflossen wird. Das Schloss ging aus einem 1664 errichteten Herrenhaus hervor, das 1704 von Eosander umgebaut wurde. Aus dem Jahr 1764 stammt das heutige Erscheinungsbild des Schlosses. Königin Elisabeth Christine, die Frau von König Friedrich II. , lebte dort von 1740-90. Sie fühlte sich in dem Schloss von ihrem Mann abgeschoben und unwohl. Den Lieblingsort ihres Gatten, Schloss Sanssouci in Potsdam, soll sie kaum gekannt haben. Im Schloss dürfte sich der erste und einzige DDR-Präsident Wilhelm Pieck wohler gefühlt haben, der dort von 1949 bis 1960 residierte. Nach dessen Tod wurde jedoch das Amt des DDR-Präsidenten wieder abgeschafft. Später war das Schloss Gästehaus der DDR und Tagungsort des Runden Tisches im Jahr 1989. Das Schloss fiel nach der späteren Nutzung als Gästehaus der DDR-Regierung in einen jahrelangen Dornröschenschlaf. Niemand wollte das sanierungsbedürftige Gebäude, das so viele Bewohner und Gäste gesehen hatte, übernehmen. Schließlich fiel das Schloss an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die es als ihr neues Museumsschloss nutzt. Damit macht die SPSG der Öffentlichkeit nach Foto: Treppenhaus des MuseumsschlossesJahrzehnten eine königliche Residenz wieder zugänglich, die in besonderer Weise die preußisch-deutsche Geschichte der letzten 350 Jahre widerspiegelt. Vor allem sein wechselvolles Schicksal im 20. Jahrhundert verleiht dem Schloss eine einzigartige Stellung unter den Anlagen der SPSG.

Im Erdgeschoss des Schlosses wird dem Besucher ein Bild vom Leben der Königin Elisabeth Christine, der Ehefrau Friedrichs II., vermittelt, werden im Obergeschoss die unterschiedlichen Nutzungsphasen während der DDR-Zeit dokumentiert. Darüber hinaus haben die Kunstschätze der Grafen zu Dohna, die 1943 aus dem heute zerstörten Schloss Schlobitten in Ostpreußen gerettet werden konnten, hier eine dauerhafte Heimat gefunden.

 

Die am Ende der Ossietzkystraße liegenden Gebäude werden heute als Bundesakademie für Sicherheitspolitik genutzt. Das Gästehaus für die Entourage der Staatsgäste hingegen steht ungenutzt und stark vom Vandalismus beeinträchtigt am Rand des Parks.

Foto: im Schlosspark Schönhausen

Der Schlosspark besitzt einen der schönsten und windungsreichsten Abschnitte der Panke. 1828-31 gestaltete Peter Joseph Lenné den Park zu einem Landschaftspark um und verlieh ihm sein heutiges Erscheinungsbild. 1949 wurde der Park erneut umgestaltet, als das Schloss als Amtssitz des Präsidenten der DDR (Wilhelm Pieck) diente. Aus dieser Zeit stammt auch der eher moderne Eindruck, den der Park vermittelt. Zahlreiche Kleingärten, deren Anlagen in den Park hineinragen, haben Wassergrundstücke am Fluss. Wer genau hinschaut, entdeckt noch die Umrisse der "Liebesinsel", die früher von der Panke umflossen wurde. Einer der Seitenarme wurde nach dem Krieg zugeschüttet.

 

 


Weiterführende Links:

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