Pankemündung: Freiraum mitten in der Stadt

von Joachim Faust (joachim) am 30.11.2009

Foto: der neugestaltete Park an der PankemündúngAm östlichen Ufer des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal befindet sich eine durchgehende Promenade, auf der der Radfernweg Berlin-Kopenhagen verläuft. Südlich der Sellerstraße führt der Weg über eine hölzerne Fußgängerbrücke. Diese überspannt ein kleines Vorbecken des Nordhafens, in das das Wasser der Panke nach ihrem ca. 33 km langen Flusslauf abfließt. Bei sämtlichen hier zu sehenden Gewässern handelt es sich jedoch um künstlich geschaffene Wasserwege. Angefangen hat der Wasserstraßenbau hier Anfang des 18. Jahrhunderts, als der preußische König Friedrich I. (1657 – 1713) eine schiffbare Verbindung zwischen seinen Schlössern Charlottenburg und Schönhausen verlangte. Der Weg zu Wasser schien ihm bequemer als der Transport auf der Landstraße. Dazu ließ er von der Spree aus, auf Höhe des heutigen Hauptbahnhofs, den Schönhauser Graben anlegen.




Foto: Hier mündet das Vorbecken in den KanalNach etwa zwei Kilometern traf der Graben auf Höhe der Schönwalder Straße auf das natürliche Flussbett der Panke. Trotz der Vertiefung der Panke durch mehrere Wehre ist die Schiffbarmachung bis Schönhausen nie fertiggestellt worden, da das königliche Interesse am Schloss Schönhausen nachließ. Dennoch spielt der Graben in zweierlei Hinsicht eine bedeutende Rolle: zum einen stellte er den südöstlichen Abschnitt des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals dar, der 1848-59 angelegt und  1910-16 für größere Schiffe vertieft wurde. Zum anderen stellt das 450 Meter lange Verbindungsstück zwischen dem heutigen Kanal und dem natürlichen Pankelauf heute den wichtigsten Abfluss der Panke dar. Der natürliche Pankelauf war ab der Verzweigung, die sich seit dem späten 19. Jahrhundert an der Schulzendorfer Straße befand, zuerst größtenteils verrohrt und später durch den Mauerbau an der Chausseestraße ganz vom Fluss abgetrennt worden. Streng genommen fließt das Pankewasser also über den Schönhauser Graben in den Kanal, während der Mündungsarm der Panke erst in den nächsten Jahren wieder vom Pankewasser gespeist werden wird. Fest steht: für die Berliner und insbesondere die Weddinger Industriegeschichte spielte die Schaffung der Wasserstraßen eine nicht unbedeutende Rolle. Nicht zufällig begann die stürmische Entwicklung der Berliner Maschinenbauindustrie an der unteren Panke.

 

Foto: Pankemündung und Eisstadion















 

 

 

 

Foto: das Abspannwerk Scharnhorst

Rund um die Pankemündung ist eine städtebaulich konfuse Situation entstanden. Zum einen hat das Grün den ehemaligen Mauerstreifen überwuchert. 

Schaut man jedoch Richtung Nordosten, erkennt man hinter dem Eisstadion den Standort des Pharmaunternehmens Bayer-Schering. In dieser innerstädtischen und zugleich peripheren Lage hatte dieses einstmals bedeutende Berliner Unternehmen (Schering AG) bis vor kurzem seinen Stammsitz.

Das Umspannwerk Scharnhorst an der Sellerstraße 16-26 ist ein markanter Ziegelbau aus dem Jahr 1929, erbaut von Hans Müller für die BEWAG. Interessant ist der expressive Westteil. Von dem auf dem Dach befindlichen Glasturm wurde je nach den Lichtverhältnissen entschieden, wann die Straßenbeleuchtung Berlins ein- und ausgeschaltet werden konnte. Nach einer umfassenden Sanierung dient es heute als Bürogebäude des Eigentümers Vattenfall.

Weiterführende Informationen:

Nachrichten aus dem Ortsteil Berlin-Wedding gibt es im neuen Portal "Weddingweiser".

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