Berlin-Gesundbrunnen: Wo einst eine Quelle sprudelte...

von Joachim Faust (joachim) am 30.11.2009


Foto: das historische Quellenhaus, kurz vor dem Abriss
Für viele handelt es sich um die schönste Stelle der innerstädtischen Panke in Berlin. Alles beginnt hier mit einer Legende, in der die Mühle an der Panke eine Rolle spielt. Um das Jahr 1700 stand hier nur der Vorgängerbau des heutigen Mühlengebäudes, der Rest der Gegend war freies Feld. Der erste König in Preußen, Friedrich I., soll von der Jagd kommend, in der Mühle eingekehrt sein und nach einem Glas Wasser verlangt haben. Gegenüber der Mühle schöpfte die Müllersfrau Wasser aus einer Wiese an der Panke, und dem König schmeckte das Wasser außerordentlich gut. Um 1750 herum wurde das Wasser von Hofapotheker Behm chemisch untersucht. Das Ergebnis führte zur Investition des Apothekers von 22 000 Talern: er baute ein Badehaus mit Nebengebäuden und pflanzte tausende Bäume an. 1760 wurde das Heilbad unter dem Namen „Friedrichs Gesundbrunnen“ eröffnet. Damit erhielt der Ortsteil seinen bis heute bekannten Namen. Dem Heilbad war jedoch kein langes Leben beschieden; 1809 wurde die Anlage unter dem Namen „Luisenbad“ – zu Ehren der beliebten Königin Luise – revitalisiert. In dieser Zeit begann sich die nahe gelegene Residenzstadt Berlin schon bis zur Pankemühle auszudehnen. Kolonisten hatten sich nördlich der Panke schon angesiedelt. Langsam entwickelte sich der kleine Vorort zu einem beliebten Vergnügungsviertel. Ausflugsgaststätten und Bierlokale, später auch Varietés, zogen die Bewohner der rasant wachsenden Großstadt Berlin an. Aber auch viele Gerbereien und Färbereien nutzten die Panke, um ihre übel riechenden Abwässer abzuleiten. Der zunehmende Gestank gab dem Bäderbetrieb den Todesstoß, verhalf im Gegenzug  aber dem kleinen Fluss zu seinem Spitznamen „Stinkepanke“. Weiteres Gewerbe wurde beispielsweise mit der Tresorfabrik Arnheim angesiedelt, die 1892 gegenüber des Luisenbads neben der Mühle entstand. Heute befinden sich in den Sheddachhallen aus Backstein Bildhauerwerkstätten.

Foto: Pankemühle im 19. JahrhundertUm 1860 wurde das Gebiet rund um das Luisenbad, das der Volksmund mittlerweile mit „Plumpe“ bezeichnete, gemeinsam mit dem Wedding nach Berlin eingemeindet. Die rege Bautätigkeit, die dann einsetzte, machte um 1880 herum auch der Quelle den Garaus, die bei Ausschachtungsarbeiten endgültig versiegte.









Foto: Das Luisenbad ist heute eine gut sortierte BibliothekDas um 1900 endgültig mit der Mietskasernenstadt Berlin zusammengewachsene Viertel hat seither seinen Charakter als Heilbad vollständig eingebüßt. Auch das Trinkhaus des Luisenbades ist 1890 abgerissen worden; nur in einem Relief auf der reich geschmückten Fassade des „Luisenhauses“ an der Bad-/Ecke Travemünder Str. ist es mit seinem Motto „In fonte salvs“ noch zu finden. Das Luisenbad hat dann noch als „Marienbad“ eine weitere Wandlung als Festsaal und Kino erfahren. Heute sind Fassadenteile in die 1995 fertiggestellte „Bibliothek am Luisenbad“ integriert. Nur der mit Backsteinen geformte Schriftzug“Kafé Küche“ deutet noch auf die einstige Vergnügungsstätte hin.  





Foto: Die St. Paulskirche wurde von Schinkel erbautHeute bezeichnet der einstige Name "Gesundbrunnen" nicht nur einen ganzen Ortsteil von Berlin-Mitte, sondern auch der Bahnhof hat überregionale Bedeutung. Dass die Bezeichnung tatsächlich auf eine Heilquelle zurückgeht, dürfte jedoch nur noch den wenigsten Berlinern bekannt sein...

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