Die Wiesenburg: Ein besonderes Asyl, damals wie heute

Was wie eine idyllische Fabrikruine aussieht, ist in Wirklichkeit das Relikt eines teilweise im Krieg zerstörten Obdachlosenasyls. Träger der "Wiesenburg" war der 1869 gegründete "Berliner Asyl-Verein für Obdachlose". Zu den Gründern und Förderern gehörten der Bankier Gustav Thölde (1819–1910), der zudem erster Vorsitzender war, Ludwig
1895 erwarb der Verein das Grundstück an der Wiesenstraße - daher stammt auch der volkstümliche Name "Wiesenburg". 1895 wurde nach einem Entwurf von Georg Töbelmann (1835–1909) das Asyl gebaut. Die für die damalige Zeit modern gestalteten Schlafräume zitierten mit ihren Sheddächern den zeitgenössischen Industriebaustil - daher auch die Anmutung einer Fabrik. Im Gegensatz zu den kirchlichen und staatlichen Einrichtungen konnte man in der "Wiesenburg" anonym übernachten, was für die Betroffenen ein enormer Vorteil war.
Aufgegliedert in Verwaltungsgebäude (Beamtenwohnhaus), Asyl (Sammelhalle, Speisehalle, Schlafsäle) und technischen Bereich (Wasch- und Maschinenhaus), war die Wiesenburg für 700 Obdachlose ausgelegt. Am 13. 12. 1896 fand die Einweihung statt. Schon 1897 wurden 247 446 Aufenthalte gezählt, der Jahresdurchschnitt soll in den kommenden Jahren bei 250 000 Besuchern gelegen haben. 1907 wurde ein Frauenasyl mit 400 Plätzen und einem eigenen Zugang an der Kolberger Straße eingeweiht.
Aus finanziellen Gründen wurden seit dem Ersten Weltkrieg Teile des Objekts vermietet. So arbeitete ab 1914 eine Armee-Konservenfabrik auf dem Gelände. Mitte 1935 befand sich hier die „Nationale deutsche Flugmotoren-Vergaserfabrik“. 1940 zog die Metallgießerei von Moabit hier ein.
Eine Brandbombe zerstörte im Februar 1945 einen Teil des Asyls. Das Gelände wurde 1951 enttrümmert. Einzelne Gebäude sind bis heute bewohnt und harren einer umfassenden Renovierung. Die wenigen dauerhaften Bewohner nennen sich selbst die "Wiesenburger". Vor dem Beamtenwohnhaus befindet sich heute eine Gedenktafel.
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