Berlin-Pankow: Ein kleiner, aber feiner Park an der Panke

von Joachim Faust (joachim) am 30.11.2009

Vom Privatpark zum Bürgerpark Pankow


Foto: das Neorenaissance-Portal des ParksSo gemächlich und unscheinbar wie die Panke durch den Bürgerpark fließt, sieht man ihr nicht an, dass sie zu seiner Entstehung nicht unwesentlich beigetragen hat. Eines ihrer Hochwasser vernichtete die Pankower Papiermühle an ihrem Ufer. Baron Killisch von Horn, der erfolgreiche Gründer und Verleger der Berliner Börsenzeitung, kaufte das Gelände im Jahr 1856. Da er sich sehr für die Gartenkunst interessierte, wandelte er das südöstlich der Panke gelegene Areal mit Hilfe von begabten Gärtnern in einen Privatpark um. Das ehemalige Mühlengebäude wurde zu einem Herrenhaus umgestaltet, das als Landsitz der Familie Killisch von Horn diente. Der Park wurde stetig erweitert und stand allen Pankowern offen. Auch eine ausgedehnte Gärtnerei ließ der Verleger anlegen, um exotische Gewächse selbst zu züchten. Später widmete sich der Besitzer einem anderen Landgut in der Lausitz, so dass der Pankower Park in Vergessenheit geriet.

Foto: das Ziegengehege im BürgerparkNach dem Tod Killisch von Horns im Jahr 1886 und seiner Frau im Jahr 1905 waren die Erben am Erhalt des Parks nicht mehr interessiert. Sie versuchten, das vor den Toren der aufstrebenden Stadt Berlin gelegene Gelände in Bauland umzuwandeln, wofür sie die Unterstützung einiger einflussreicher Pankower Bürger hatten. Der Pankower Bürgermeister Wilhelm Kuhr erkannte das Potenzial des Parks und setzte sich für den Kauf des Geländes durch die Gemeinde ein, was im Jahr 1907 gelang. Aus dem Privatpark wurde somit der Bürgerpark, der bis zum Zweiten Weltkrieg durch seine Ausflugsgaststätten und Restaurants in ganz Berlin bekannt war.







Die Panke durchschneidet den ParkAuch wurde der Park um den nordwestlich der Panke gelegenen Volkspark Schönholzer Heide erweitert. Der am Nordostrand des Parks gelegene Friedhof mit seinen sehenswerten Grabmalen, unter anderem auch das Mausoleum des Parkgründers, wurde in den Park integriert. Zu DDR-Zeiten wurden bis auf das neobarocke Portal und den Pavillon fast alle historischen Gebäude abgerissen und der Park grundlegend neu gestaltet. Dazu kam im Jahr 1955 die noch heute bestehende Parkbücherei. Auch wurden zahlreiche Skulpturen und ein neues Café hinzugefügt. Seit dem Fall der Mauer, an die der Park angrenzte, kehrte die Gartenanlage auch wieder ins Bewusstsein der angrenzenden Viertel im Wedding zurück.




Foto: der Pavillon im RosengartenBesondere Anziehungspunkte des kleinen Parks sind der Rosengarten am Pavillon, das Café Rosenstein mit Biergarten und das neobarocke Portal mit einem Springbrunnen. Kinder zieht es besonders ans Ziegengehege, das zwischen zwei künstlichen Hügeln angelegt wurde und das man auf einer Brücke überqueren kann. Außerdem verfügt der Park noch über einen Vogelkäfig mit Pfauen.

 

 

 

 

Eine Gazellenskulptur mit dem Portal im HintergrundWenn auch der Park viel von seiner historischen Substanz verloren hat, ist er heute wieder ein besonders vielfältiger und gepflegter Park, der von den Berlinern rege genutzt wird. Heute umfasst der Bürgerpark etwa 12 Hektar. Er ist leicht erreichbar mit der Tram M 1 (Haltestelle Bürgerpark Pankow) oder die S-Bahn (S-Bf Wollankstr.).


















Foto: die Dorfkirche in PankowDer Bürgerpark ist eine der beliebtesten Grünflächen in Pankow. Der Ortsteil Pankow des Bezirks Berlin-Pankow hat etwa 60.000 Einwohner und war bis 1920 eine selbständige Landgemeinde im Kreis Niederbarnim. Die Panke bildet bis heute die nördliche Grenze des Ortsteils. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts war Pankow ein beliebtes Ausflusgziel vor den Toren der Residenzstadt Berlin. Jeder Berliner dürfte den Text des Volkslieds kennen: „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten / Nach Pankow war sein Ziel; … Aber dennoch hat sich Bolle / Janz köstlich amüsiert."






Das beeindruckende Rathaus von PankowDen Kern der städtischen Entwicklung Pankow bildete der Dorfanger, der noch heute erhalten ist. Er wird im Osten begrenzt durch die Kirche aus dem 13. Jahrhundert (erweitert durch Stüler im Jahr 1859), während das monumentale Rathaus von 1903 den westlichen Abschluss des alten Ortskerns bildet.

Erstmals erwähnt wurde Pankow 1311 (Ausgrabungen deuten auf eine feste Besiedlung seit 1220 hin). 1691 erwarb Kurfürst Friedrich III das Dorf mit dem benachbarten Niederschönhausen. Die Nähe zur Großstadt Berlin veränderte das einst landwirtschaftlich geprägte Dorf immer mehr: es wurde zur Sommerfrische begüterter Berliner. Daher resultiert auch die verhältnismäßig frühe Anbindung an das Pferdebahnnetz (die erste Linie führte die Panke entlang bis zum Gesundbrunnen).













Foto: die Alte BäckereiDie Alte Bäckerei an der Wollankstraße 130 legt noch heute ein Zeugnis der früheren, vorstädtischen Bebauung Pankows aus der Zeit um 1860 ab. Das eingeschossige Wohnhaus liegt vor der Backstube und den Pferderemisen. Noch bis 1964 gab es den Familienbetrieb. Die Museumsbackstube wird noch regelmäßig genutzt. Sehenswerte Baudenkmale in Pankow sind außerdem das Kavalierhaus an der Breiten Straße, ein typisches einstöckiges Gebäude von 1770, das für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Das Jüdische Waisenhaus, vom Pankower Zigarettenfabrikanten Garbaty gestiftet, entstand bis 1913 an der Berliner-/Ecke Hadlichstraße. Nachdem das Gebäude jahrelang als Botschaftsgebäude genutzt worden war, zog 2001 die Bezirksbibliothek in das renovierte Gebäude ein. Sehenswert sind die elegante Wohnanlage „Amalienpark" von 1896/97 sowie das Schulgebäude in der Görschstraße im Stil der Neorenaissance.

Mehr zur Geschichte Pankows erfahren Sie hier.

Weiterführende Links:

Bürgerpark Pankow

Beschreibung des Bleichröderparks am Dorfanger

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