Berlin-Buch: Besser als die Berliner Luft

von Joachim Faust (joachim) am 30.11.2009

Die Panke im Schlosspark (Fotograf: Henry Ludwig)Gefühlt scheint Buch schon nicht mehr zu Berlin zu gehören, aber es ist auch kein typischer Vorort der Hauptstadt. Es liegt im nordöstlichsten Zipfel Berlins und ist der einzige Ortsteil Berlins außerhalb des Berliner Autobahnrings. Für die Berliner Stadtgeschichte ist Buch aber schon lange vor der Eingemeindung ein bedeutsamer Ort gewesen: hier war der Sommersitz des Berliner Oberbürgermeisters und auch der Standort der ersten Krankenhausstadt.

 

 

 

Doch der Reihe nach: schon in prähistorischer und frühgermanischer Zeit war Buch ein bevorzugter Siedlungsplatz, wie eine bedeutende Ausgrabungsstätte westlich des S-Bahnhofs, an der Moorlinse, beweist. Gleich drei Siedlungsphasen, nämlich aus der Mittelsteinzeit (5. Jahrtausend v.Chr.), aus der Eisenzeit (6.-4.Jh. v.Chr.) und aus der römischen Kaiserzeit (2.-4.Jh. n.Chr.) können heute nachgewiesen werden.

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Die barocke Dorfkirche BuchDie Herren von Buch bauten sich ein schlossartiges Landhaus mit Orangerie und dazugehörigem Gutshof.

Statt einer simplen Dorfkirche verfügt Buch zudem über eine barocke Schlosskirche mit markanten roten Seitenwänden und weißen Säulen. Sie wurde 1731-36 auf Veranlassung des Gutsherren von Viereck nach Plänen von Friedrich Wilhelm Diterichs gebaut. Ihr Grundriss ist kreuzförmig, die Grundform ist ein Zentralbau. Beachtenswert ist der Portikus mit vier Säulen. Um die Kirche herum erstreckt sich ein kleiner Friedhof. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche ohne ihren Turm wieder aufgebaut, wobei die Rekonstruktion erst 2000 abgeschlossen werden konnte.  Heute gehört die Kirche zu den wenigen noch erhaltenen Barockbauten auf dem Berliner Stadtgebiet.

 

 

 

Die KrankenhausstadtAuch das Herrenhaus war der DDR-Führung ein Dorn im Auge - aus ideologischen Gründen wurde es kurzerhand 1964 abgerissen. Geblieben sind nur der Gutshof, der zu DDR-Zeiten zu einem Künstlerhof umfunktioniert wurde, und der sehenswerte Schlosspark. Die Panke durchfließt diesen nach holländischem Vorbild angelegten Park, indem sie in mehrere Kanäle aufgeteilt wurde. So viele Brücken wie im Schlosspark gibt es nirgendwo sonst an der Panke (immerhin 14 Brücken). Und auch die (laut Katasteramt) kürzeste Brücke Berlins!

Im Jahr 1898 erwarb die Stadt Berlin das Gut Buch für 3,5 Millionen Reichsmark. Dort wurde ab 1899 Heilanstalten und in den 1920er Jahren die für die damalige Zeit hochmoderne Krankenhausstadt Buch mit fünf verschiedenen Kliniken gebaut. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg und zu DDR-Zeiten ist dies so geblieben. Den Ausschlag gab sicher die gute Luft des damals noch weitab der Reichshauptstadt gelegenen Ortes.

 

 

 

Taubenturm im Gutshof BuchSo bedeutend die Bauten (beispielsweise von Ludwig Hoffmann) architekturhistorisch auch sind - heute verfallen einige der noch zu DDR-Zeiten intensiv genutzten Anlagen des Gesundheitswesens. Auch den Höchststand von fast 17000 Einwohnern, den Buch am Ende der DDR einmal hatte, wird der Ort wohl nicht wieder erreichen: die zahlreichen Plattenbauten am südlichen Ortsrand stehen häufig leer oder sind für den Rückbau vorgesehen. Immerhin hat man quer über die Panke zwei Einkaufspassagen in vielen Pastelltönen gebaut, in denen auch die Bibliothek einen neuen Platz gefunden hat. Doch überwiegt in Buch der Eindruck, der einstmals hübsche Villenvorort mit der guten Luft habe auch schon bessere Tage gesehen. Der nordöstlichste Stadtteil Berlins hat heute 13.000 Einwohner. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1375. Dass Menschen aber noch viel früher in Buch gesiedelt haben, wird an der bedeutendsten Ausgrabungsstätte im Berliner Nordosten deutlich.

Buch erhielt erst 1879 einen Haltepunkt an der 1844 gebauten Stettiner Bahn. Der heutige Bucher Bahnhof (1912-14 gebaut) gehört zu der Reihe der denkmalgeschützten Stationen an der Stettiner Bahn. Die Bahnhofshalle wird über eine geschwungene Freitreppe erreicht.






Weiterführende Informationen:

[Wikipedia] Berlin-Buch

Berlin-Buch: Die Gesundheitsregion 

Regionalzeitung: Bucher Bote

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Kommentare

31.07.2015

Helga Höhne

Eigentlich wollte ich nur kurz "zeitunglesen", dabei bin ich auf "Panke" gestoßen. Ich habe nicht mehr aufgehört zu "blättern". Habe mir viele Seiten ausgedruckt und bin ganz erfreut über die Texte von und über Buch. Meine Eltern hatte ein Häuschen in Buch von der AEG. Mein Vater arbeitete dort in Moabit, dort 2X ausgebombt. Ich bin Jahrgang 42 Da meine Eltern nach Gesundbrunnen umgezogen sind habe ich Buch lange nicht mehr gesehen. Ich war nach dem Mauerfall einmal dort und habe "unser" Haus gesucht. Jetzt, auf meine alten Tage möchte ich noch einmal Buch sehen und erkunden. Es war für mich ein wunderbarer Ort. Ich habe immer -obwohl ich noch sehr klein war (3-5 Jahre) Sehnsucht gehabt. Nun, ich werde mich demnächst aufmachen.
Es grüßt Sie Helga Höhne