Durchgehend grün im Norden Berlins?
"Berlin darf sich seine Zukunft nicht verbauen"
Mehr als zwanzig Jahre nach dem Mauerfall sind längst nicht alle Wunden, die die Grenzanlage in die Stadt geschlagen hat, verheilt. Aufgrund der zahlreichen Feierlichkeiten zum Gedenken an den 50. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer wäre fast eine Aktion unter die Räder geraten: für den Nachmittag des 13. August 2011 hatte das Berliner Netzwerk für Grünzüge zu einer Menschenkette aufgerufen. Nur einige wenige Berliner waren dem Aufruf gefolgt, um für einen durchgehenden Grünzug im Norden Berlins zu demonstrieren. Dies ist auch dringend nötig: in der jüngeren Vergangenheit ist man mit den Flächen, die nach dem Abriss der Berliner Mauer leergeräumt waren, nämlich nicht gerade zimperlich umgegangen. Beispiele sind Discounter am S-Bahnhof Schönholz oder neue Gewerbegebiete am Bahnhof Gesundbrunnen. Auf diese Versäumnisse und verpassten Gelegenheiten will das Netzwerk verschiedener Umweltorganisationen aufmerksam machen. „Berlin darf sich seine Zukunft nicht verbauen“, fordern die Initiatoren, zu denen unter anderem der NABU und die Grüne Liga gehören. Noch besteht die Chance, zwischen dem Nordbahnhof und den S-Bahnhöfen Schönholz bzw. Pankow-Heinersdorf einen durchgehenden Grünzug abseits der Hauptverkehrsstraßen schaffen.
Der Pankegrünzug kreuzt den Mauerstreifen
Am Bürgerpark Pankow kreuzt dieses imaginäre durchgehende Grüne Band den Pankeweg. Daher hat sich panke.info e.V. entschlossen, diese Aktion an diesem Abschnitt zu unterstützen. „Ohne diese grünen Adern kann ich mir Berlins Zukunft nicht vorstellen“, sagt Michael Strecker, der bei panke.info für die Aktion verantwortlich ist. Trotz des guten Wetters finden sich leider nur wenige Pankeweg-Spaziergänger und Radler, die die Menschenkette spontan unterstützen möchten. Für viele ist das durchgehende Grün, gerade an der Panke, heute schon Wirklichkeit. Im grünen Bezirk Pankow liegt wohl auch der Bedarf nach Grünflächen weniger auf der Hand als in manch anderem Bezirk Berlins.
Beispiel: Grünes Band durch ganz Europa
„Ich bin gekommen, um den 50. Jahrestag des Mauerbaus mit diesem Grünstreifen zu verbinden“, sagt Monika Thees. Die Freiberuflerin aus dem Hansaviertel hat den Weg in den Berliner Norden gerne auf sich genommen, um eine neue Seite an der Stadt zu entdecken. Sie denkt ohnehin in großen Maßstäben: „Mir kommt die Parallele zum Grünen Band in den Sinn“, sagt sie. Dabei handelt es sich um einen Grünzug entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs, der von Finnland bis zum Schwarzen Meer reicht. „Durch die Freihaltung des Mauerstreifens wird Gedenken erst ermöglich“, findet Monika Thees. Wenn der Grenzstreifen langsam zuwachsen kann, handelt es sich um einen Heilungsprozess - davon ist nicht nur sie überzeugt.
So wie die Panke Ost und West, Stadt und Land, Berlin und Brandenburg verbindet, könnte auch der Grünzug für die noch immer zerrissene Stadt Berlin Wunder wirken.
Autor: Joachim Faust
Weiterführende Links: Grünzüge für Berlin
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