Zwei Gräben tun sich auf

von Joachim Faust am 17.10.2010

Vorzeitiges Ende des Zingergrabens im Nordgraben (Foto: S. Marotz)Wenn man vor einem von Grün umwucherten Wasserfall steht, wähnt man sich an einer verwunschenen Stelle im Wald, nur nicht im nordöstlichen Randgebiet Berlins. Und doch gibt es hier einen fast schon spektakulären Absturz eines Wasserlaufs in einen anderen Graben. Der Zingergraben, der erst wenige Kilometer weiter nördlich in Blankenfelde begonnen hat, findet hier sein in den 1930er Jahren geschaffenes abruptes Ende im Nordgraben. Und eben dieser Nordgraben stellt den ersten Bezug zur Panke her: dieser Graben leitet nämlich gut die Hälfte des im Oberlauf der Panke bis Blankenburg angesammelten Wassers in Richtung Tegeler See ab. Da der Nordgraben wesentlich tiefer in die Landschaft eingegraben wurde als der Zingergraben, stürzt letzterer eben ein vorzeitig mit einem Wasserfall hinab. Doch der historisch ältere Zingergraben geht nur wenige Meter südwärts wieder weiter. Hier, wo sich die geschlossene Bebauung Berlins in Einfamilienhaussiedlungen und vor allem Kleingärten zerfasert, diente der Graben wie viele andere auch vor allem der Entwässerung von Feuchtgebieten. Natürliche Abflüsse gibt es hier nämlich keine.



Der Zingergraben in einer Kleingartenanlage in Rosenthal (Foto: S. Marotz)Radtour am ZingergrabenEinige feuchte Wiesen überraschen den Besucher, der so viel Natur inmitten der endlos scheinenden Vorstadt nicht erwartet. Aber auch in den Kleingartenanlagen hat der Graben mitunter idyllische Abschnitte - zu Recht ist der Zingergraben oft Namensgeber der Gartenkolonien. Sein tatsächliches Ende findet der Graben übrigens dann erst in Niederschönhausen, an der Grenze zu Pankow, in der Panke, auf der Höhe Grabbeallee....

Eine Radtour bei herrlichstem Herbstsonnenschein führte einige Interessierte am 3.10.2010 den Zingergraben entlang. Tourenleiter Sören Marotz kann hier, unabhängig vom Wasserstand, aus dem Vollen schöpfen: er ist hier aufgewachsen und kennt jeden Meter des Zingergrabens zwischen Wilhelmsruh, Niederschönhausen und Rosenthal. Was für die Panke ohnehin gilt, nämlich dass sie etwas Besonderes im urbanen Umfeld ist, spielt beim Zingergraben an manchen Stellen ebenfalls eine Rolle. So manche Ecke, abseits der großen Ausfallstraßen, dürfte auch dem Kenner des Großbezirks Pankow neu gewesen sein. Die Teilnehmer der Radtour dürften Lust bekommen haben, den ein oder anderen Abschnitt der Strecke einmal wieder zu besuchen. Besonders die halboffene Landschaft zwischen Rosenthal, Nordend und Blankenfelde mit ihrem Wechsel zwischen Hecken und den Stellen, wo der Blick weit über die Barnimer Landschaft schweift, hat ihren ganz eigenen Reiz.

 

 

 

 

 

 

 

 

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