"Die Panke überrascht!" - Eine Führung durch Tresorfabrik und Luisenbad
Gastbeitrag von Gudrun Radev, Grüne Liga Berlin e.V.
Als Mitglied der Grünen Liga Berlin ist mir die Sorge um die Panke, diesem viel besungenen Nebenfluss der Spree, seit langem vertraut. Im November 2009 taten Vertreter der Senatsverwaltung für Gesundheit & Umwelt sowie Naturschützer im Pankower Rathaus strategische Maßnahmen kund, um der Panke streckenweise ihr natürliches Flussbett und damit bessere Lebensbedingungen zurück zu geben. Endlich wird es den starren Flussbegradigungen und verbauten Ufern an den Kragen gehen, um dieses liebenswerte Biotop für Pflanzen- und Tierwelt aufzuwerten - frei nach dem Motto „Panke 2015“, orientiert an den Empfehlungen der europäischen Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL).
Mit panke.info munter unterwegs
Natürlich sind auch engagierte Berliner der Auffassung, dass die Panke weitaus mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihr bislang zuteil wurde. So der noch junge Verein panke.info, der beherzt Anwohner und Sympathisanten einlädt, um - ausgestattet als „Männer in Grün“ - gemeinsam so manches Kleinod entlang dieses Fließ zu entdecken. Inhaltlich passte das am 7.3.2010 wunderbar zusammen – die ehemalige „Tresor-Fabrik Arnheim“ (im Wedding 1890–1938) und die Panke, geht es doch in beiden Fällen um Schätze, die es zu bewahren galt bzw. gilt.
Durch Shed-Dächer viel Licht für Künstler
Schon immer mal wollte ich hinter das Geheimnis des leuchtend roten Backsteins an der Panke, nahe der Travemünder Straße, kommen und schloss mich gern der recht großen Gruppe Neugieriger an. Geboten wurden uns zum einen überraschende Einblicke in die Fabrik-Architektur des 19. Jahrhunderts, die dank der so genannten Shed-Dächer Tageslicht satt in die Fertigungshallen einfallen lässt – praktisch und energiesparend. Zum anderen die heutige Werkstatt des Berufsverbands Bildender Künstler, mit der Bildhauer aus aller Herren Länder einen Ort finden, an dem sie eine bezahlbare Atelierfläche anmieten und künstlerisch tätig werden können. Ganz gleich, ob sie sich mit Gips, Holz, Keramik, Metall oder Stein auseinandersetzen und entsprechende Skulpturen kreieren, für 60 € pro Woche sind sie dabei. „Die meisten bleiben länger als anfänglich geplant“, versicherte uns Jan Maruhn, Leiter der Werkstatt. Dazu mag die helle, freundliche Atmosphäre in den gut geheizten, hohen Hallen beitragen oder die geräumige Gemeinschaftsküche, die wohl so manches Gespräch unter Kollegen herbeizaubert.
Vorn Mietshaus, hinten kleiner Kurbetrieb „Gesundbrunnen“
Wieder an der frischen Luft warfen wir einen Blick auf die Reste der Panke-Mühle, die zunächst ab 1714 als Walk- und später bis 1891 als Papier-Mühle in Betrieb war. Davor ragt ja an der Badstraße das markante mehrstöckige Wohnhaus empor, ebenfalls aus Backstein, das zu Zeiten der „Tresorfabrik Arnheim“ Wohnungen für die Arbeiter bereithielt.
Dicht zusammengedrängt auf der kleinen, die Panke überquerenden Brücke, waren wir sodann bemüht, bei Wind und Wetter akustisch dem historischen Rückblick zu folgen. Immerhin wurde klar, dass die einstige Quelle Gesundbrunnen König Friedrich I. im Jahr 1701 „außerordentlich erfrischt“ haben soll, so dass hier ein Trinkhäuschen, Restaurant und sogar eine Badeanstalt entstanden. Spätestens 1809 nannte sich der Ort zu Ehren der Königin Luise, deren 200. Todestag wir 2010 begehen, Luisenbad. Im Berlin der Kaiserzeit wurde dieses Terrain zum Vergnügungsviertel der „kleinen Leute“. Später riss man viele Bauten ab, zumal die Panke der wachsenden Bevölkerung als Müllkippe diente und die Abfälle der Gerbereien entsetzlich stanken. Zudem versiegte die Quelle leider 1882.
Die stimmungsvolle „KAFÈ KÛCHE“ lockt
Trotz Bedauerns in der Gruppe blieb die Stimmung prima und wir folgten gern der Bibliothekarin ins Vestibül des historischen Baus von 1888 mit einstigem Ballsaal, mit Kaffeeküche und Kegelbahn. Das geschwungene alte Treppenhaus und die opulent mit Figuren, Stuck und Gold verzierte Decke des Puttensaals ließen mein Herz abermals höher schlagen. Wer konnte ahnen, dass im abgerissenen weiträumigen Theatersaal nebenan zwischen 1911-1963 das „Marienbad“-Lichtspieltheater zu Hause gewesen ist.
Bibliothek am Luisenbad auch sonntags
Die beiden Bibliothekarinnen führten uns geduldig auch durch die moderne Architektur der heutigen „Bibliothek am Luisenbad“ und ermunterten obendrein, Bücher oder Medien auszuleihen, hatten sie doch extra für uns geöffnet. Wow! Ganz nebenbei kam man ins Gespräch und lernte sich ein bisschen kennen, tauschte sogar Visitenkarten aus. Also, beim nächsten Ausflug entlang der Panke mit panke.info bin ich bestimmt wieder dabei."
Eine weitere Führung findet am 6. März 2011 um 13.00 Uhr statt. Treffpunkt ist die Pankebrücke an der Osloer Strae in Berlin-Gesundbrunnen.
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