"Die Platane bleibt stehen!"

von Joachim Faust am 30.04.2010

Foto: Anwohner ketten sich an die PlataneEs sollte nur eine Baumfällung sein – für die Berliner Wasserbetriebe eigentlich ein alltäglicher Vorgang.  Wegen der Sanierung von Altwasserrohren war für Mittwoch, den 28.04.2010 die Fällung von zwei Linden und einer Platane in der Weddinger Uferstraße anberaumt. Die Anwohner der nahen Uferhallen, Uferstudios und aus den umliegenden Wohnhäusern waren nur durch ein am Vortag aufgestelltes Hinweisschild informiert. Anwohner Schliemann hat viele Nachbarn mobilisiert: „Wir sind mit viel Kaffee und ein paar Stühlen um 7.00 Uhr morgens angerückt, bevor die Baufirma kam.“ Künstler aus aller Herren Länder hatten sich gleich an die Platane gekettet. Der Baufirma blieb nichts anderes übrig, als die Berliner Wasserbetriebe, das Tiefbauamt und die Polizei zu rufen. Als Verantwortliche aller beteiligten Stellen mit dem Architekten der benachbarten Uferhallen diskutierten, wurde ein vorläufiger Kompromiss gefunden. „Der Architekt sagte zu, dass die Leitung auch über das Privatgelände der Uferhallen gelegt werden kann“, erklärt Schliemann. Dadurch könnte, so die Hoffnung der Baumbesetzer, die Fällung sogar vollständig vermieden werden. Jetzt prüfen die Wasserbetriebe erst einmal diese Option. „Wir sehen einfach nicht ein, dass wegen einer Wasserleitung ein schöner alter Baum sterben muss“, sagt Schliemann.

Michael Strecker von panke.info e.V. war ebenfalls Augenzeuge der Protestaktion. Er freut sich, dass sich die beteiligten Anwohner am Nachmittag noch einmal mit den Verantwortlichen zusammengesetzt haben, um das weitere Vorgehen abzustimmen. „Die Uferhallen haben inzwischen nicht nur ein Angebot der Übertragung von Wegerecht an die Berliner Wasserbetriebe unterbreitet, sondern auch zugesagt, ihre mittelfristigen Überlegungen der ganzheitlichen Umgestaltung des Geländes offiziell beim Bezirksamt einzureichen“, erklärt Michael Strecker. Dadurch eröffnen sich, auch für die Wasserbetriebe, ganz neue Perspektiven im Wassermanagement in der Nachbarschaft der Panke.

 

 

Foto: Diskussion der Anwohner mit den Berliner WasserbetriebenFür Schliemann ist der Hauptzweck der gemeinsamen Initiative vorerst erreicht: „Das Schöne war, dass wir die Fällung erst einmal  verhindert haben.“ Wenn es allen weiterhin gelingt, vernünftig und konstruktiv miteinander zu reden, findet sich am Ende sicher eine Lösung, mit der alle Beteiligten leben können.

Die Nachbarn an der Uferstraße haben verstanden, dass sie gemeinsam viel erreichen können. Und Engagement für das direkte Umfeld hat dieser Kiez an der Panke bitter nötig.

 

Autor: Joachim Faust

Fotos: Hr. Schliemann

Videolink zu einer Protestveranstaltung am 21.07.2010

 Foto: Eine Anwohner ist in die Platane geklettert












Foto: Anwohnerkette rund um den BaumFoto: Herunterklettern nach erfolgreicher Baumrettung

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