Interview mit dem Bürgermeister von Panketal

von Joachim Faust am 08.10.2009

 

Panketal: Mehr als nur die erste Station in Brandenburg


- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Panketal – nie gehört? Immerhin handelt es sich dabei um einen 19.000 Einwohner zählenden Vorort nordöstlich von Berlin, der bis zur  Kommunalreform 2003 aus den Gemeinden Zepernick und Schwanebeck bestand. Allein in den letzten zwanzig Jahren konnte die heutige Gemeinde 8.000 Neubürger verzeichnen. Doch diese sind mitunter nur schwer für das Gemeindeleben zu gewinnen, weiß Bürgermeister Rainer Fornell zu berichten: "Panketal ist ein sehr attraktiver Wohnstandort", sagt Fornell, der selbst erst 1996 aus Berlin in die Umlandgemeinde gezogen ist. "Die Nähe zu Berlin ist unser großer Vorteil – eine sehr gute Verkehrsanbindung, ein umfassendes Schul- und Betreuungsangebot und viele Freizeitmöglichkeiten." Doch die unmittelbar benachbarte Großstadt, aus der die meisten Neubürger kommen, sei zugleich auch ein Nachteil für das Gemeindeleben, so der Bürgermeister: "Die Leute können sogar ihre Berliner Telefonnummer hierher mitnehmen, behalten oft ihr soziales Umfeld und ihren Berliner Freundeskreis:" Daher sei es schwer, in Panketal anzukommen und ein soziales Beziehungsgeflecht aufzubauen. Dies gelingt meist erst über die Kinder, erklärt Fornell: "Kontakte über die Kita, die Schule oder die Sportvereine bringen die neuen Einwohner dazu, hier heimisch zu werden."

Die Stadt-Umland-Beziehungen sind ein großes Thema für den Bürgermeister, der selbst erst seinen Platz in der Gemeinde finden musste. Panketal muss, so glaubt Fornell, auch nicht um jeden Preis wachsen, um seine Vorteile nicht zu verspielen. "Die Gemeinde ist heute schon die flächenmäßig kleinste Gemeinde im Landkreis Barnim, bei gleichzeitig sehr hoher Einwohnerzahl", sagt Fornell. Ein Fehler der Vergangenheit war in den Augen des Bürgermeisters die Ausweisung von Baugebieten mit zu kleinen Grundstücken, so dass in diesen Neubaugebieten Konflikte auf engem Raum entstanden sind. "Die aus der Stadt zugezogenen Leute denken, auf dem eigenen Grund und Boden seien sie frei von Nachbarschaftskonflikten", sagt Fornell. Er nimmt daher lieber in Kauf, dass der Zuzug abflacht, um die Wohnqualität in Panketal zu erhalten. Auch ökologische Aspekte sprechen gegen die Verdichtung der Gemeinde: "Es gibt kaum Versickerungsflächen und Probleme bei der Regenwasserabführung", gibt Fornell zu bedenken. Schon heute seien die hydrologischen Grenzen der Panke erreicht. Auch sorgt er sich um Straßenbäume und Grünflächen, die es in der Gemeinde nur dort ausreichend geben kann, wo Ein- und Zweifamilienhäuser vorherrschen.

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Die Benutzer des Pankewegs und Radfahrer auf dem Fernradweg Berlin-Usedom dürften die Gemeinde Panketal in erster Linie als Durchgangsstation wahrnehmen. Dabei gibt es auch in Panketal einiges zu entdecken: "Wir wissen, dass wir vor allem als attraktiver Wohnort gelten", sagt der Bürgermeister. Ein klassischer Tourismusstandort sei Panketal somit nicht. Trotzdem gebe es im Bereich der Rieselfelder Hobrechtsfelde eine große Fläche für Kultur und Freizeitaktivitäten, die auch schon jetzt rege genutzt wird. Auch einige sehenswerte Baudenkmale wie die Zepernicker Dorfkirche verdienen Beachtung, wenn man sich nur ein wenig abseits der Hauptwege bewegt.

Die alteingesessenen Panketaler haben einstweilen noch an der Fusion der baulich längst zusammengewachsenen Ortsteile Zepernick und Schwanebeck zu knabbern, wie ein Streit um die Schriftgröße des neuen Gemeindenamens auf den Ortstafeln zeigt. Gerade aus diesem Grund kann die namensgebende Panke ein wichtiges identitätsstiftendes Element sein, das für die Großgemeinde in Zukunft eine große Rolle spielen dürfte. Es wäre schon viel gewonnen, wenn auch die Neu-Panketaler wissen, dass mit der Panke eine wertvolle natürliche Lebensader durch ihren Ort fließt, die sie – ebenso wie die S-Bahn – mit Bernau und Berlin verbindet.

Autor: Joachim Faust


Webpräsenz der Gemeinde Panketal

Nachrichten aus Panketal

Bericht in der Berliner Zeitung über das DDR-Aufnahmelager Röntgental

Neuere Themen:

Kino zum Abheben - das Kino am Ufer

Porträt des "Kino und Café am Ufer", das ein einzigartiges, hochspezialisiertes Programm mit spirituellem Schwerpunkt bietet.

Die Musikprofis von der Panke

Porträt Jan Fritz (Jazzmedia and more) und Tonmanufaktur an der Panke

Zurück