Pankower Panke-Anlieger im Zwiespalt

von Joachim Faust am 12.10.2009

- kein Alternativtext verfuegbar -Ein Abend im verkehrsumtosten Pankower Rathaus. Gespannt warten etwa 30 Zuhörer auf die Ausführungen der Experten, die über die anstehenden Baumaßnahmen entlang der Panke zwischen Ossietzkystraße und Grabbeallee informieren möchten. Die Ortskenntnis kann man getrost voraussetzen, denn die meisten der Zuhörer sind Anlieger der Panke an diesem Abschnitt. So haben die meisten Anwohner erst einmal Sorge vor einer Veränderung des Status quo.

 

„Sie haben bis jetzt Glück gehabt“, erklärt der Ingenieur Dr. Heiko Sieker die Hochwasserproblematik der Panke. „Das theoretische Jahrhunderthochwasser mit 18,7 m³ Wasser ist zumindest seit 1985 ausgeblieben“, erklärt er. Statt dessen seien am Messpunkt Kühnemannstraße maximal 14,3 m³ erreicht worden. Trotzdem, warnt Sieker, sei die Panke nicht hochwassersicher, da Starkregenereignisse in Berlin zugenommen haben. Die Tatsache, dass am  flussaufwärts liegenden Verteilerbauwerk in Blankenburg ein - kein Alternativtext verfuegbar -Großteil des Hochwassers in den Nordgraben abgeleitet wird, bedeute eben auch, dass sämtliche Hochwasserschutzmaßnahmen oberhalb des Bauwerks in Pankow wirkungslos verpuffen, so der Experte. Das neue Wassergesetz, das im März 2010 in Kraft tritt, fordert, dass Hochwässer möglichst schadfrei ablaufen sollen. Der Begriff Schaden bezieht erstmals nicht nur wirtschaftliche, sondern auch Umweltschäden, Schäden an Kulturgütern und Personenschäden mit ein.

„An der Einmündung Zingergraben kam es schon öfter zu Hochwasserereignissen“, berichtet ein Anwohner. Viele können sich auch erinnern, dass das Wasser auch schon einmal im Garten gestanden hat. Dr. Sieker erläutert den besorgten Anwohnern, dass die heute nur 3,80 Meter breite Panke, die auf 600 Metern von 1200 Winkelstützelementen aus Beton eingefasst ist, in Zukunft ein breiteres Bett haben wird. Dadurch könne von vornherein mehr Wasser abfließen. Außerdem rät Dr. Sieker zu besserer Vorsorge an Gebäuden, indem beispielsweise Kellerfenster höher gelegt werden.



- kein Alternativtext verfuegbar -Die Baumaßnahmen seien vorgezogen worden, erklärt Matthias Rehfeld-Klein von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz. Die Betonelemente aus DDR-Zeiten seien nicht mehr standsicher, so dass ohnehin Handlungsbedarf bestehe. Die Anwohner sind davon nicht hundertprozentig überzeugt, da sie sich mit den Winkelstützelementen arrangiert haben. Die Vision, die ihnen der aus Cottbus angereiste Wasserbauingenieur aufzeigt, überzeugt sie allenfalls ästhetisch. „Im oberen Abschnitt wird die Panke sieben statt knapp vier Meter Breite zur Verfügung haben, während im unteren Abschnitt zehn bis zwölf Meter möglich sind“, erklärt der Ingenieur. Darin inbegriffen sind eine Aue und ein Weg zur Gewässerunterhaltung.

„Wir kennen ja unsere Jugendlichen“, zeigt sich eine Anwohnerin besorgt. Ihr gefällt die Vorstellung nicht, dass der Weg leicht zugänglich sein könnte und damit auch ein Zugang zu ihrem Grundstück. „Das Flussbett wird weiterhin in eine zwei Meter hohe Betonwand eingefasst sein“, versuchen die Verantwortlichen zu beruhigen. Diesen sollen Gabionen, Drahtkörbe mit aufgeschichteten - kein Alternativtext verfuegbar -Bruchsteinen, vorgeblendet werden. Damit soll Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen werden, den es heute so noch nicht gibt. „Wir befürchten, dass sich dann Ratten ansiedeln“, äußert sich ein besorgter Anwohner aus der Parkstraße.

Dass für diese Maßnahmen ein Erwerb von Grundstücksstreifen entlang der Panke erforderlich sein wird, erläutert eine Mitarbeiterin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Dies bringt besonders die Anwohner auf die Palme, die ihr Grundstück erst 2005 erworben haben. „Warum hat man uns damals nichts davon gesagt“, ärgert sich Britta Tschörtner, die am Köberlesteig ein Wassergrundstück gekauft hat. Dass der Planungsprozess erst 2007 begonnen hat, kann ihren Unmut kaum dämpfen.

 

Viele Visionen, Bilder und gute Absichten auf der einen Seite – offene Fragen und - kein Alternativtext verfuegbar -Befürchtungen auf der anderen Seite; der Modellabschnitt in der Wohnsiedlung Pankow dürfte noch für viele Kontroversen sorgen. Bleibt zu hoffen, dass beim nächsten Mal mehr Anwohner erreicht werden können. Bevor 2010 konkrete Maßnahmen beginnen, sollten die Betroffenen Zeit bekommen, in den Planungsprozess eingebunden zu werden.

Autor: Joachim Faust, 08.10.2009


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