Die Denkmalführung

von Joachim Faust am 08.10.2009

"Kiek mal, 'n Denkmal"

Zweite Denkmalführung von panke.info am 12.09.09

Gregor Maier führt interessierte Berliner durch den Kiez"Ich wollte einfach mal wissen, wie es dort aussieht, wo meine Vorfahren herkommen", sagt eine Dame, die einen Zettel mit sich führt und genau mitschreibt. "Ick bin hier aufjewachsen", sagt eine ältere Dame aus Frohnau, die ihren Kindheitserinnerungen zu begegnen hofft. Und viele andere sind einfach aus Neugier hier, weil im offiziellen Programm zum Tag des Offenen Denkmals nur "Rundgang durch den Soldiner Kiez" steht.

"Dies ist ein Viertel am Rand Berlins", sagt Gregor Maier, der die Führung für panke.info e.V. ausrichtet. "An den Stadtrand hat man früher die Hinrichtungen und die Toten verlegt", meint er. Heute sind es eher die Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen. "Hier soll man ja nur mit Polizeischutz durch die Straßen gehen, hab' ich gehört", sagt ein Tourteilnehmer. Heute jedenfalls ist er nicht allein, denn gut dreißig Interessierte sind mit von der Partie.

Pfarrer Glatter von der Kirchengemeinde an der Panke erklärt kurz und knapp, was es an Wichtigem über das beeindruckende Wahrzeichen des Soldiner Kiezes, die neugotische evangelische Stephanuskirche mit ihrem 80 Meter hohen Turm, zu erzählen gibt. Dann geht es bei strahlendem Sonnenschein hinaus, durch die Soldiner Straße an die Panke. Erst hier lüftet Gregor Maier das Geheimnis, dass hier Harald Juhnke aufgewachsen ist. Am Juhnke-Denkmal vorbei, dessen Entstehungsgeschichte allein schon als typisch für diesen an Widersprüchen reichen Kiez gelten kann, geht die Gruppe die Koloniestraße entlang. In der Hausnummer 131 werden bei den alten Berlinern Erinnerungen wach. " So sah es bei uns auch aus", sagt die Dame, die in der Soldiner aufgewachsen ist. Sie findet aber, dass die Straßen viel kleiner und dörflicher wirken, als sie es in Erinnerung hatte.

Ein Hauseingang in der Koloniestraße - einfach mal 'reingehenWie viele Aspekte der Soldiner Kiez zu bieten hat, überrascht die Gruppe auch im weiteren Verlauf der Tour. An Marlene Jachmanns überdimensionalen Wandbild vorbei geht es in den Ballsaal "Glaskasten" an der Prinzenallee. "Na, da oben auf der Empore, da war die Musike, da wurde Rabatz gemacht", ist sich eine betagte Tourteilnehmern sicher, die sich noch an durchtanzte Nächte in solchen Ballhäusern erinnern kann.

Doch für weitere Erläuterungen ist leider viel zu wenig Zeit, denn jetzt ist ein Besuch in der Galerie "Prima Center Berlin" in der Biesentaler Straße angesagt. Spätestens hier gerät mancher Tourteilnehmer ins Staunen, denn Kunst hätten viele an dieser Stelle nicht erwartet. Galerist Jovan Balov kann nur einen kurzen Überblick über das Kunstgeschehen geben - für alles weitere empfiehlt er einen Besuch der nächsten "Kolonie Wedding".

Die Tour endet an der Villa Schott in der Wriezener Straße, und Gregor Maier kann sich über den verdienten Applaus freuen. "Wir sind gerade erst aus Görlitz hierhergezogen, einer Stadt mit noch viel mehr Baudenkmälern", erzählt ein Paar mittleren Alters. Aber sie hätten sich sofort für den Wedding entschieden, sagen beide stolz, und die heutige Tour hat ihnen gezeigt, dass die Entscheidung richtig war. Und nur mit Polizeischutz durch den Soldiner Kiez - das hält nach diesem Rundgang keiner von den Teilnehmern mehr für notwendig.

Autor/Fotos: Joachim Faust

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