Die Uferhallen

von Joachim Faust am 16.09.2009

Atelier gesucht - und die Uferhallen gefunden

Der Hof der nördlichen UferhallenWenn man an einem regnerischen, dunklen Tag an den Uferhallen steht, fällt es zunächst schwer, den Komplex der früheren BVG-Hauptwerkstatt an der Uferstraße anheimelnd zu finden. Hinter den breiten Fenstern des langgezogenen Atelierbaus am Pankeufer erkennt man jedoch, wie eine Gruppe Tänzer probt. Auch aus den Ateliers am Rand des Hofes, der großen Haupthalle und dem Café am Haupttor fällt Licht. „Der Raum hier war total verräuchert und mit Schalttafeln und Fernsehapparaten vollgestellt“, erzählt die Betreiberin des Cafés. Schließlich war hier die BVG-Pförtnerloge untergebracht. Außer dem Namen „Café Pförtner“ erinnert aber an diese Nutzung nichts mehr. Dass man vom Café aus den ganzen Hof und auch die Uferstraße überblicken kann, war für die Pförtner von Vorteil. Die heutigen Cafébesucher können sich aber genauso über die Panoramaaussicht freuen.

„Wer sich hier wohl fühlt, weiß, dass er auch langfristig bleiben kann“, sagt Daniel Biesold. Er ist Geschäftsführer der Uferhallen-Kulturwerkstatt GmbH. Die Uferhallen AG hat das Gelände erst 2007 von der BVG erworben und in ein privat getragenes Kulturzentrum verwandelt. „Ursprünglich habe ich selbst nach einem Atelier gesucht“, erzählt Biesold, „und es endete damit, dass ich die Uferhallen gefunden habe.“ Als Künstler kann er somit nachvollziehen, worin der Reiz dieses Ortes liegt.

Daniel BiesoldBereits 60 Künstler mit 17 verschiedenen Muttersprachen haben sich ebenfalls in dem ausgedehnten Werkstattkomplex angesiedelt, und es ist nahezu alles vermietet. „Wir wollen Räume bieten, in denen Künstler für wenig Geld lange bleiben können“, sagt der 44-jährige Geschäftsführer. „Da wir kein Interesse an einem spekulativen Umgang mit dem Gelände haben, laufen unsere Verträge grundsätzlich langfristig.“ Die Künstler bauen sich daher zum Teil auch richtige Wohneinheiten in ihren Ateliers ein. Im Moment besteht für den Betreiber die Herausforderung darin, die zentrale Strom- und Wärmeversorgung aufzuteilen und einzelne Stromzähler einzubauen.

Das Herzstück der Uferhallen ist die große Werkstatthalle mit beeindruckenden 3000 m2, der man ansieht, dass darin noch bis 2006 Busse gewartet wurden. Dank der variablen Museumsarchitektur können darin Messen, Ausstellungen und Kunstprojekte stattfinden. Bisher war die Haupthalle schon Standort für eine Modenschau, eine Messe für alternative Wohnprojekte und den Europäischen Monat der Fotografie. „Die Uferhallen selbst kuratieren jedoch keine Ausstellungen“, erklärt Biesold. „Wir stellen nur den Raum und die Infrastruktur zur Verfügung.“ Außerdem muss auch eine teilweise kommerzielle Nutzung wie die Computerbörse ComBär erfolgen, um die anderen künstlerischen Projekte querfinanzieren zu können.

Besucher in der großen HalleAußer der großen Halle werden auch viele andere Räume künstlerisch genutzt. In einer Bildhauerwerkstatt entstehen Skulpturen und Fassadenschmuck für das Projekt des Berliner Stadtschlosses. Hingegen wurde in der ehemaligen Motorenwaschanlage ein Thekenausschank in Maschine optik mit integrierter Tanzfläche hergerichtet. Ein 1500 m2 großer Teil der Werkstatt soll zudem von der Kunsthochschule Weißensee als Projekt- und Ausstellungsfläche genutzt werden. Auf der ehemaligen Pankeinsel, zwischen Uferstraße und Badstraße, liegt der zweite Abschnitt der Uferhallen. „Hier entsteht mit dem TanzRaumBerlin ein auf 25 Jahre angelegtes Projekt“, so Biesold. „Neben einer europaweit einmaligen Probebühne entsteht hier mit Mitteln der Lotto-Stiftung ein hochschulübergreifendes Studienzentrum für zeitgenössischen Tanz.“ Insbesondere davon verspricht sich Daniel Biesold neben dem zu erwartenden Publikumszulauf auch eine große Bereicherung des gesamten Areals: „Viele Studenten auf unserem Hof wären einfach wunderbar“, findet der Geschäftsführer und sagt: „Ich kann mir vorstellen, dass gerade Tanz- und Kunststudenten gerne im Wedding wohnen.“ Etliche Künstler und Professoren von Kunsthochschulen seien in den letzten Jahren ins Viertel gezogen, erklärt Biesold, dem es besonders wichtig ist, dass der Hof der Uferhallen auch abends nicht verwaist. Die Anziehungskraft der Architektur und die städtebauliche Lage der Uferhallen sind für ihn der große Pluspunkt des Geländes: „Künstler haben grundsätzlich keine Zugangsprobleme in Bezug auf den Wedding und wissen die Nähe zum Zentrum zu schätzen“. Es scheint, als können die Uferhallen mit ihrem Kulturangebot dazu beitragen, diesen Abschnitt der Badstraße nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. „Ich halte das für ein zauberhaftes Viertel“, sagt Daniel Biesold, „und unser Gelände ist wie eine Oase mittendrin.“

Autor: Joachim Faust

Ein beeindruckendes Zeugnis der Neuen SachlichkeitViel Raum für Installationen- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -

 

Hintergrundinformation: Die Uferhallen befinden sich an einem verkehrsgeschichtlich bedeutsamen Standort. Der frühere Omnibushof war bis 1961 ein Straßenbahnbetriebshof der BVG. Von dort verkehrte 1895 in Richtung Pankow die erste elektrische Straßenbahn Berlins. Aber schon ab 1873 befand sich an dieser Stelle ein Betriebshof der ersten Pferdebahnlinie. Allerdings lagen diese Betriebshöfe nur auf der Pankeinsel, bis der nördliche Mühlengraben (heute die Uferstraße) zugeschüttet wurde.

Die große Wagenhalle stammt aus dem Jahr 1898, während die heutigen Gebäude am Pankeufer aus den Jahren 1926-30 stammen. Allein das der Panke zugewandte flache Werkstattgebäude ist 144 m lang.

Architekturdetail: die abgerundete Ecke an der SüdspitzeAusstellung von Weißenseer KunsthochschulstudentenMarlies Mäder stellt in den Uferhallen aus

 

 

Mehr Infos: UferHallen, Uferstr. 8-11, Programm und weitere Informationen auf der Website der Uferhallen

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