Der Gitarrenlehrer Arndt Bethke
"Musik soll den Raum verändern"
Wer Arndt Werner Bethke kennenlernt, kann sich der überbordenden Energie und der Schaffenskraft dieses Musikers nur schwer entziehen. "Als Songpoet allein auf einer Bühne zu stehen und eigene, deutschsprachige Lieder vorzutragen, war der mutigste Schritt in meinem Leben", sagt Arndt Bethke. Auch nach langjähriger Berufserfahrung gibt es noch eine neue Herausforderung für den Musikpädagogen für Gitarre: der Aufbau eines Gitarrenstudios in Eigenregie.
Die Tätigkeit in verschiedenen Musikschulen bildete bis zuletzt den Schwerpunkt im bisherigen Berufsleben Arndt Werner Bethkes. Doch erst die Möglichkeit, in der Pankower Wollankstraße 114 ein eigenes Gitarrenstudio zu eröffnen, eröffnet ihm die Möglichkeit, ein gänzlich unabhängiges Konzept zu verfolgen.
Unkonventionelle Unterrichtsmethoden sind dem 1970 in Berlin-Lichtenberg geborenen Bethke sicher nicht in seinem Elternhaus nähergebracht worden. Als Kind zweier studierter Kunstlehrer, die ihr Berufsleben in der Lehrerfortbildung und der Geschichtsmethodik des DDR-Bildungswesens verbracht haben, sind ihm pädagogische Grundsätze durchaus vertraut. Doch war ihm das oftmals sehr dogmatische Erziehungswesen ein Gräuel: "Zu DDR-Zeiten hatte ich Angst, die Schiene der Eltern zu leben. Es wäre für mich nicht auszuhalten gewesen ohne die Musik." Mit der Welt der Musik ist Arndt Bethke als 9-Jähriger in Berührung gekommen. Er wurde für den Kinderchor der Komischen Oper ausgewählt und erhielt dort eine musikalische Grundausbildung mit Schwerpunkt auf Gesang. Damit verbunden waren auch zahlreiche abendliche Auftritte und seine Entwicklung sehr prägende Begegnungen mit Künstlern wie Harry Kupfer. Nach einem Studium als Unterstufenlehrer mit Musik als Wahlfach gelang ihm nach der Wende der Sprung an die Universität Potsdam, die Hochschule für Musik "Hanns Eisler" sowie die Hochschule der Künste. Eine intensive Zusammenarbeit mit dem schon in der DDR bekannten Gitarristen Rainer Feldmann, der lange Jahre sein Dozent und Förderer war, mündete nach Arndt Bethkes Studium im gemeinsamen Projekt "Spanish Art Guitar Quartet".
Der 39-jährige Diplom-Musikpädagoge freut sich sichtlich, dass er 2008, im zehnten Jahr seiner Selbständigkeit, ein ganz auf seine Unterrichtsmethode ausgerichtete Musikschule eröffnen konnte. "Seit ich denken kann, bin ich ein feinfühliger Mensch", sagt Bethke. Dies macht er sich im Musikunterricht zu nutze: "Mir ist wichtig, dass beim Musizieren die Lebensthemen des Schülers eine Rolle spielen." Dieser psychosoziale Aspekt ist ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts. "Ich versuche mich auf meinen Schüler einzuschwingen", erklärt er die Methode. Erst wenn das Thema, das vielleicht den Schüler bedrückt, herausgelassen ist, kann er sich als Musiklehrer darauf einstellen und den Verlauf des Unterrichts bestimmen, erklärt Arndt Bethke. Er nennt das Üben "im Flow", indem man in eine Bewegung, einen Fluss kommt. Mit dieser Herangehensweise weicht Bethke von den klassischen Methoden des Musikunterrichts ab. "Der Unterricht wird spontan und individuell, folgt keinen festgelegten Vorgaben – Improvisation wird dadurch gefördert", erläutert er seine Überzeugung. Arndt Bethke freut sich, dass er seine Ein-Mann-Musikschule ganz auf sein intuitives Konzept ausrichten kann. Auch moderne Medien spielen eine Rolle, etwa wenn die Schüler ihre Stücke aufnehmen lassen können.
Den Ausschlag zur Selbständigkeit hat aber auch eine Wende im Leben des Musikers im Jahr 2005 gegeben: "Nach Jahren als Profimusiker, der natürlich irgendwann einmal verschnaufen muss, um neu hören zu lernen, um aufzutanken, um sich der ein wenig auf der Strecke gebliebenen Familie zu widmen, musste ich innehalten", sagt Arndt Bethke. Dazu kam eine Rückschulung zum linkshändigen Schreiben - ein Aspekt, dem sich der Musikpädagoge auch bei seinen Schülern in nächster Zeit besonders intensiv widmen möchte.
Trotz der intuitiven Herangehensweise ist für den Musikpädagogen klar: "Die Musik braucht immer eine Basis, und das Instrument ist nun mal das Handwerk." Dabei ist nicht jedes Instrument gleich gut geeignet, um an die Musik heranzuführen: "Die Gitarre ist im Gegensatz zum eher strukturierten Klavier ein emotionales Instrument, das keine Distanz zulässt und direkt einen Ton erzeugt", sagt Arndt Bethke. Zudem verleite das Gitarrenspiel zum Singen und sei für Kinder und Jugendliche sehr gut geeignet, erklärt der Musikpädagoge: "Kinder brauchen Zeit, dieses Handwerk zu lernen, denn dafür müssen sie ihre Hände und ihren Körper entdecken."
Die Unterrichtsräume in einem gründerzeitlichen Altbau in der Wollankstraße 114 bieten für Arndt Werner Bethke den richtigen Rahmen für grenzenlose Erfahrungen durch die Arbeit mit den Instrumenten: "Musik soll den Raum verändern - durch freudvolles Musizieren geraten die kleinen Welten der Schüler in Bewegung, schulische Leistungen oder Verhaltensauffälligkeiten werden einfach wegmusiziert, und wir verwandeln letztlich sogar jede Traurigkeit in ein kraftvolles Musizierstück."
Autor: Joachim Faust
Gitarrenstudio Arndt Bethke, Wollankstr. 114, Berlin-Pankow
Tel:0173 2372510, eMail: arndt.bethke@gmx.net
http://www.arndtbethke.de
www.songpoet.de
Produktionen von und mit Arndt Werner Bethke als Solist/Komponist/Arrangeur/Texter:
3 CDs mit dem Gitarrenquartett "Spanish Art Quartet"
1 CD "Der Spiegel im Spiegel" Lesung mit Musik und szenischem Spiel, mit Dieter Mann
1 CD mit dem Filmorchester Babelberg u.a.
1 CD mit der Popband S.A.M.T.
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