Das Hochglanzmagazin über den Wedding

von Joachim Faust (joachim) am 09.10.2009

Ein Stadtteil auf Hochglanz poliert

Das erste Designermagazin, das sich den (verborgenen) Schönheiten des Wedding widmet

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Der Wedding und seine Bewohner als Hauptdarsteller eines Designermagazins? Für drei Berliner Studentinnen war der Wedding jetzt reif für ein solches Projekt. Vorher hatten sie bereits Marzahn in vielen seiner Facetten abgebildet. Für die erste Ausgabe ihres Magazins "Berlin Haushoch" regnete es dann gleich drei renommierte Preise. Der Erwartungsdruck für das am 01.02.08 erschienene Heft über den Wedding war dementsprechend hoch. In der ehemaligen Galerie der Firma Schering in der Lindower Str. 18 (S- und U-Bf. Wedding) präsentierten die drei Studentinnen Ana Lessing, Esra Rotthoff und Alexandra Bald drei Tage lang ihre Arbeit. "Einige negative Vorurteile stimmen", geben Ana und Esra, zwei der drei Studentinnen, zu. "Aber manches hat auch uns als gebürtige West-Berlinerinnen überrascht." Vor allem finden sie den Wedding bunter, vielseitiger und grüner als sie dachten. Wedding mit seinen sozialen Missständen, aber zugleich offen – so erlebten es die drei, als sie ein Jahr lang von ihrem Büro in der Groninger Straße aus recherchierten. "Wir haben in Wohnzimmern fotografiert, wo wir ganz selbstverständlich bewirtet wurden", sagt Ana, die immer noch begeistert ist. "Und wo hätten wir sonst bei einer türkischen Hochzeit die beiden Hauptpersonen von morgens bis abends begleiten können?" Hochzeit im Wedding – klar, dass die Fotografin an diesem Thema nicht vorbeikam. Ohnehin gilt das Stadtviertel inzwischen als originell, selbst wenn man in Kreuzberg wohnt: "Man muss aus seinem Dorf auch mal raus, und daher gehe ich bewusst im Wedding aus", sagt eine Besucherin der Ausstellung.

Wer den Wedding kennt, kommt beim Betrachten der Fotos schnell ins Staunen: Da werden Models in Dönerläden gestellt, und alles wirkt arrangiert, fast schon unwirklich. Gerade dadurch kommt der Ort erst richtig zur Geltung: "Wir wollen mit unserem Magazin erst Klischees bestätigen, dann aber auch wieder brechen", erklären die 26-Jährigen.

Eine andere Fotostrecke im Berlin Haushoch-Magazin widmet sich den als besonders spießig verschrieenen Kleingärtnern. "Die waren total nett, da konnten wir einfach leckere Kirschen essen", erinnert sich Ana. Und so wurden die Laubenpieper eben zu "Laubenpeople". Alltagsgesichter und ganz normale Weddinger Bewohner füllen den Großteil des Magazins, das in einer Auflage von 5000 Exemplaren erschienen ist. Der Gewinn soll ins nächste Heft über Charlottenburg gesteckt werden. Man merkt der Zeitschrift an, dass für die drei Studentinnen der Ort nicht nur eine skurrile Kulisse war. Statt dessen kommt der Wedding fast so weg, wie er ist. Nur eben zur Abwechslung mal auf Hochglanzpapier.

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