Bildung als Herausforderung - Drei Grundschulen an der Panke

von Joachim Faust am 11.10.2009

In den Jahren 2010 und 2011 führt panke.info e.V. Umweltbildungsmaßnahmen im Soldiner Kiez durch. Dafür wurde panke.info durch die Nachhaltigkeitsinitiative des Drogeriemarktes "dm" und der UNESCO-Kommission ausgezeichnet. Partner bei diesen Maßnahmen ist die Carl-Kraemer-Schule, die im direkten Einzugsbereich der Panke liegt.  

Im Soldiner Kiez, direkt an der Panke, gibt es insgesamt drei Grundschulen, die sich sowohl durch unterschiedliche Betreuungsformen als auch durch ihre speziellen Profile voneinander unterscheiden. 

Das sozial schwierige Umfeld – mindestens 80% der Schüler sind nichtdeutscher Herkunft - stellt eine dauerhafte Herausforderung dar, der die Schulen mit unterschiedlichen Mitteln begegnen. In der Zechliner Straße liegt die Carl-Kraemer-Grundschule. Für die Direktorin Christine Frank ist klar: "Speziell in unserem Kiez ist ein Maximum an Schulangeboten erforderlich." Dies leistet ihrer Meinung nach am besten die Ganztagsschule, für die sie viele erst noch begeistern muss. "Bildungsferne Eltern im Kiez haben zwar Angst vor unserer Ganztagsschule, aber in Einzelgesprächen sagen wir ihnen, dass ihr Kind nur mit guten deutschen Sprachkenntnissen Bildungschancen erhält." Die Carl-Kraemer-Grundschule hat sich frühzeitig um Fördermittel des Bundes beworben und ist bereits seit letztem Jahr eine gebundene Ganztagsschule. Bis 16 Uhr gehen dort alle Kinder zur Schule, wobei der Unterricht auf den ganzen Tag verteilt und mit Sport und Freizeitaktivitäten vermischt wird – "der Tag ist rhythmisiert" nennt dies die Direktorin.

Die Andersen-Schule in der Kattegatstraße ist mit 400 Schülern relativ klein und überschaubar. Direktor Klaus-Dieter Lambrecht erklärt: "Darum wird Gewalt schnell registriert und bekämpft." So genannte Konfliktlotsen, besonders ausgebildete Schüler, gibt es inzwischen an allen drei Schulen des Kiezes. An der Andersen-Schule kann sogar die Hälfte des Lehrerkollegiums die Schüler dafür ausbilden.

Die Carl-Kraemer-Schule wie auch die Wilhelm-Hauff-Grundschule legen zudem Wert auf kunstorientierten Unterricht. Marichen Aden, Direktorin der Wilhelm-Hauff-Schule in der Gotenburger Straße, erklärt das Konzept: "Kunstorientierung vermittelt Erfolge. Dies eröffnet den Kindern den Zugang zur Sprache." Sprachförderung ist in allen drei Schulen das wichtigste Anliegen, auch wenn dies auf unterschiedliche Weise erreicht wird. In der Andersen-Grundschule betont der Direktor einen räumlichen Vorteil: Der Hort ist im gleichen Gebäudekomplex untergebracht, so dass die Horterzieherinnen in den Vormittagsunterricht der Halbtagsschule eingebunden werden können. "Acht bis neun Erzieher werden die Lehrer unterstützen", sagt Direktor Lambrecht. "Sie fördern nachmittags die Kinder mit sprachlichen Defiziten". Immerhin 80–90 Prozent der Schüler besuchen den Hort. Zusätzlich gibt es noch die "Schulinsel", ein Blockhaus im Innenhof, das für Hausaufgabenbetreuung genutzt wird. Die Lage im "Problemkiez" ermöglicht den Schulen zudem eine niedrigere Klassenstärke von nur zwanzig Kindern.

Die Beherrschung der deutschen Sprache ist jedoch nicht der einzige Knackpunkt für Direktorin Frank: "Wichtig für mich ist, ob die Schule sauber ist, ob die Kinder freundlich sind, welche Umgangsformen herrschen." Doch das kann die Schule nicht allein leisten. Darum wird an der Andersenschule geplant und an der Wilhelm-Hauff-Schule bereits praktiziert, dass ein Bildungsvertrag abgeschlossen wird – zwischen Eltern und der Schule. "Schule und Umfeld müssen miteinander arbeiten", so Direktorin Aden – für mehr Respekt und Toleranz, Weltoffenheit und Kontaktfreudigkeit. Der ganzheitliche Ansatz des Zusammenspiels zwischen familiärem und schulischem Umfeld ist den drei Grundschulen wichtig – gerade weil übereinstimmend alle Direktoren betonen, dass ihre Schüler die Schule als "Oase" in ihrer oft konfliktreichen Umgebung empfinden. "Unsere Schule soll Verlässlichkeit vermitteln" sagt Direktorin Aden. Schule als Ort, in dem man sich geborgen fühlt. Die Bedingungen zu guten Leistungen sind inzwischen in allen drei Schulen hervorragend: "Die Schwachen fördern und die Starken fordern" umreißt Direktor Lambrecht das Erfolgsprinzip: allein seine Schule hat zahlreiche Deutsch-Wettbewerbe und die Mathematikolympiade gewonnen.

Joachim Faust

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Wilhelm-Hauff-Grundschule

Carl-Kraemer-Grundschule

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