Tour C2 Zusatzinformationen Berliner Mauer
Auszüge aus dem Mauerführer "Mauerreste-Mauerspuren" von Axel Klausmeier und Leo Schmidt, erschienen im Westkreuz-Verlag im Jahr 2004, ISBN 3-929592509
"Das allgemein präsente Bild der Berliner Mauer ist weitgehend identisch mit der Sicht von Westen - auf die (so die Grenztruppenakten) ´feindwärtige' Ansicht der Grenzanlagen. Die potentiellen Republikflüchtlinge, die die Mauer aufhalten sollte, näherten sich ihr jedoch von der vermeintlich 'freundwärtigen' Seite, und in diese Richtung, nach Ost-Berlin und zur DDR hin, waren die Grenzanlagen deshalb in Wirklichkeit ausgerichtet. ... Zunächst traf man auf verschiedene Warnzeichen. Die unmittelbare Sperrzone vor der Grenzanlage wurde durch rot-weiße Pfosten und Markierungen oder auch durch ein niedriges rot-weiß gestrichenes Geländer angezeigt. ... Im Sperrgebiet, aber noch vor den eigentlichen Grenzanlagen, gab es an vielen Stellen zusätzliche, sehr vielgestaltige Einrichtungen, die sich unter dem Oberbegriff "Vorfeldsicherungen" zusammenfasse lassen. Sie sollten vor allem an unübersichtlichen und problematischen Stellen die Sicherheit der Grenze erhöhen. Zu diesen zusätzlichen Sicherungen gehören vorgelagerte Plattenwände, Zäune oder Durchfahrtsperren (oft als "Blumenschalensperren"), aber auch Vergitterungen an Fenstern unmittelbar am Grenzstreifen oder Übersteigsicherungen und Lampen in Bereichen, die der Hinterlandmauer vorgelagertg waren. ... Erst an der 'Hinterlandsicherungsmauer' begann der Zuständigkeitsbereich der Grenztruppen. Sie ist teilweise in längeren zusammenhängenden Abschnitten erhalten geblieben. Obwohl sxie das Sperrelement war, das die Grenzanlagen in Richtung Ost-Berlin definierte, wurde ihr nie so viel Aufmerksamkeit zuteil wie der Grenzmauer, die vom Westen her wahrgenommen, berührt und bemalt werden konnte. ... Zum Todesstreifen hin war die Hinterlandmauer weiß gestrichen, so dass sich ein Flüchtender auch nachts vor ihr abzeichnete. Häufig wurden bestehende Strukturen - etwa die nackten Brandmauern, die durch Abbruch grenznaher Häuser freigelegt wurden - in den Verlauf der Hinterlandmauer mit einbezogen und entsprechend gestrichen. .. Ein Flüchtender, der die Hinterlandmauer vom Osten her überstieg, fand sich direkt vor dem Elektrosignalzaun. Dieser löste bei Berührung Alarm aus; außerdem war er recht elastisch und daher schwer zu überklettern. Zu diesem Elektrozaun gehören auch die noch relativ häufig sichtbaren Schaltkästen an der 'freundwärtigen' Seite; sie versorgten aber auch die Lichttrasse. ...
Zu den markantesten Elementen im Todesstreifen gehörten die Wachttürme. Von über knapp 300 Türmen, die 1989 rings um West-Berlin standen, sind heute nur noch drei erhalten. ... Der teils asphaltierte, teils betonierte Kolonnenweg, der noch oft über längere Abschnitte erhalten ist, diente der Logistik der Grenztruppen - als Patrouillenweg sowie zum Absetzen von Posten und zur Versorgung beispielsweise auch der Hunde in den Laufanlagen. ... Entlang des Kolonnenwegs waren die Lampenmasten der Lichttrasse aufgereiht; sie umringten West-Berlin und leichteten den Todesstreifen aus. An einigen Stellen sind Lampen der ehemaligen Lichttrasse heute zu normalen Straßenlaternen umfunktioniert worden (Anm.: z.B. neben der Straße Am Bürgerpark). ... Die Lichtmasten an der West-Berlin zugewandten Seite des Kolonnenweges trugen eine Farbmarkierung aus horizontalen Streifen in der Abfolge rot-weiß-grün-weiß. Sie signalisierte die 'Vordere Postenbegrenzung'. Grenzsoldaten durften diese Linie nicht ohne Vorankündigung überschreiten: Dies wäre als Fluchtversuch gewertet worden. Die Soldaten der Grenztruppen, die die Mauer bewachten und die Befehle hattenm, jeden Gegner zu 'vernichten', wurden von ihren Vorgesetzten also selbst als potentielle Grenzverletzer eingestuft. ...
Beispiele für Mauerreste an unserer Tour C 2
Gebiet Mauerpark: Am Friedrich-Jahn-Stadion verlief die Hinterlandmauer direkt am Stadion und war besonders hoch. Heute wird sie als Sprühfläche für Graffiti benutzt.
Gebiet Behmstraßenbrücke: Am unteren Ende der Radwegrampe beginnt in Abschnitt mit 18 Elementen der Grenzmauer; an dem leicht ansteigenden erhaltenen Kolonnenweg steht noch ein Lampenmast der Lichttrasse
Gebiet Bösebrücke (Bornholmer Straße): Die Freifläche östlich unseres Weges und nördlich der Finnländischen Straße war die Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße mit zahlreichen Relikten aus Beton sowie den markanten mehrstrahligen Lampen. In der Norwegerstraße selbst kann man ab der Finnl. Str. Spuren im Teer entdecken: es handelt sich um abgeschnittene Stahlbetonpfosten, in denen die Hinterlandmauer verankert war. Die fünf Lampen hier gehörten ebenfalls zur Lichttrasse.
Gebiet Mauerweg/Dolomitenstraße/Esplanade: Der Radweg benutzt hier den original erhaltenen Kolonnenweg. Drei Blumenschalensperren stehen rechts des Radweg in Richtung Esplanade, während sich links noch ein original-Elektroschaltkasten befindet.
Gebiet S-Bf.Wollankstr.: Direkt vor der S-Bahnbrücke über die Wollankstr. befindet sich auf der rechten Seite (von Pankow aus gesehen) noch ein Elektroschaltkasten. Der Kolonnenweg und zahlreiche Laternenmaste sind noch vorhanden.
Gebiet Bürgerpark:Auf dem Grünstreifen südlich der Kreuzung W.Kuhr-Str./Schulzestr. befindet sich ein Laternenmast mit zwei Peitschenlampen; eine weitere Lamoe steht im Grenzstreifen vor der Giebelwand des Hauses Schulzestr. 22. In der Schulzestr. ist zwischen den Häusern Nr. 29 und 26 ein Stück Hinterlandmauer erhalten, die in die Fassaden eingefügt worden ist.