
Die mit den Ziffern 1 - 7 gekennzeichneten Orte finden Sie in der Grafik in Tour A 3 Südpanke.
(1) liegt jetzt auf Tour A 1 Die Wiesenburg: Auf der rechten Pankeseite erkennt man die 1895/96 erbaute "Wiesenburg", ein Obdachlosenasyl, das vom 1868 gegründeten Asylverein nach Plänen von Georg Töbelmann errichtet wurde. Im Gegensatz zu anderen Wohlfahrtseinrichtungen verzichtete man in der "Wiesenburg" auf christliche Mission und ließ selbst der Polizei keinen Zutritt. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude mit ihren an die Industriearchitektur erinnernden Sheddächern zum Großteil zerstört.
(2) Liesens Etablissement: Die Auenlandschaft an der Panke und die am Wasser gelegenen Gärten entwickelten sich im 18. Jahrhundert zu beliebten Ausflugszielen der Berliner. Mit dem preisgünstigen Bierausschank verschafften sich einige Gartenbetriebe eine zusätzliche Einnahmequelle. Stadtbekannt war das an der Panke gelegene Etablissement des Gastwirts Liese, dem zeitweise sogar eine Flussbadeanstalt angegliedert war. 1868 erwarb die Norddeutsche Brauerei das Areal an der Panke und ersetzte das Liesensche Etablissement durch einen zweistöckigen Saalbau. Im Zuge der Umgestaltung des Sommergartens wurde die Panke 1929 mit Buffethäusern und Kegelbahnen überbaut. Heute befindet sich auf diesem Gelände der Park zwischen der Schulzendorfer und der Liesenstraße.
(3) Das Invalidenhaus: Ausgangspunkt für die Entwicklung des Gebiets zwischen Wedding und dem Oranienburger Tor war die Einrichtung des Invalidenhauses 1745-48 auf Veranlassung Friedrichs II. Die Invalidenhaus-Stiftung diente der Aufnahem von Kriegsversehrten aus den Schlesischen Kriegen. Zur Selbstversorgung wurde die Einrichtung mit umfangreichen Ländereien ausgestattet. Die Invaliden selbst mussten in mühevollerr Arbeit das sumpfige Terrain zu beiden Seiten der Panke roden und mit Sand aufschütten, um es urbar zu machen. Heute existieren vom Invalidenhaus nur noch zwei Seitenflügel (Teil des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie). Reste der historischen Nutzung haben sich darüber hinaus im Invalidenfriedhof sowie im Reststück des ursprünglich sehr viel größeren Invalidenparks erhalten. Der ursprüngliche eingezäunte Invalidenpark entstand 1843. Zum Wahrzeichen des Parks wurde die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Invalidensäule.
Mit der Bewirtschaftung ihrer Gärten und Äcker waren die Bewohner des Invalidenhauses überfordert. Schon bald wurden Teilflächen in Pacht vergeben, verblieben jedoch im Besitz des Militärfiskus. Im Norden des Areals wurde 1850 das "Königliche Garnisons Lazareth" (heute Bundeswehrkrankenhaus) eröffnet. Das zwischen Panke und heutiger Chausseestraße gelegene Gebiet wurde ab 1822 als Exerzierplatz genutzt. Ab 1848 erhielt der Exerzierplatz eine Randbebauung aus Kasernen – darunter jener Kaserne, vor deren Toren der Offiziersanwärter Hans Leip und sein Kamerad ihre beiden Mädchen Lili und Marleen regelmäßig getroffen haben sollen. Das Kasernengebäude fiel den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. In der Nachkriegszeit wurde das Areal zum Walter-Ulbricht-Stadion (ab 1973 Stadion der Weltjugend). Nach dem Abriss des Stadions 1992 wurde das Gelände jahrelang als Golfplatz genutzt und wird nun mit der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes bebaut.
(4) Naturkundemuseum: Am Standort einer alten Schleifmühle wurde 1805 die Königliche Eisengießerei eröffnet. Die aufgestaute Panke lieferte die Wasserkraft zum Antrieb des Bohr-, Schleif- und Drehwerks sowie des Gebläses der Schmelzöfen. Hier wurden nicht nur Maschinenbauteile, sondern auch Kunstgegenstände und Schmuck, das "Fer de Berlin" produziert und in alle Welt exportiert. In unmittelbarer Nähe zur Eisengießerei siedelten sich zahlreiche Industriebetriebe an. Mit Firmen wie Borsig, Wöhlert und Schwartzkopff, Pflug und Egels wurde das Maschinenbauerviertel an der Chausseestraße zur Geburtsstätte der Berliner Industrie, an das heute nur noch einige Straßennamen erinnern. Die Königliche Eisengießerei wurde 1873 geschlossen und an ihrem Standort der gewaltige Gebäudekomplex des Naturkundemuseums nach Plänen von A. Tiede errichtet. Die Panke und der aufgestaute Hüttenteich verschwanden in diesem Zusammenhang unter der Bebauung.
(5) Das Gebiet zu beiden Seiten der Pankemündung gelangte 1655 in den Besitz des Großen Kurfürsten, der es dem landwirtschaftlichen Betrieb (Vorwerk) seiner Gemahlin zuschlug. Der ausgedehnte kurfürstliche Besitz wurde im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts in Teilen veräußert, verschenkt oder einer anderen staatlichen Nutzung zugeführt. So wurde ein großes Grundstück zwischen der Panke und der Friedrichstraße im Jahr 1685 französischen Flüchtlingen überlassen, die hier ein Waisenhaus und ein Hospital errichteten. 1710 wurde auf königlichen Befehl am Schönhauser Graben (heute Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal) in Erwartung einer Pestepidemie ein Lazarett errichtet. Dieses Pesthaus ist die Keimzelle der heutigen Charité. Andere Teile des Vorwerks wurden höfischen Beamten überlassen, die hier z.T. prachtvolle Gärten anlegten.
(6) Friedrich-Wilhelm-Stadt: Die Gegend um den Schiffbauerdamm entwickelte sich mit der Herausbildung eines neuen gewerblichen Zentrums nördlich des Oranienburger Tors mehr und mehr zum Wohnquartier. 1827 erfolgte mit der Anlage der Karl-, Albrecht-, Luisen- und Marienstraße die Gründung der Friedrich-Wilhelm-Stadt. Aus dem Alten Pesthaus und der 1790 auf dem ausgedehnten Reußschen Gartengelände gegründeten Königlichen Tierazneischule entwickelten sich noch heute existierende wissenschaftliche Einrichtungen: die Charité und die Veterinärmedizinische Fakultät. Die zahlreichen Studenten und die ihrem Amüsement dienenden Bierkeller und Ball-Lokale trugen dem Viertel den Ruf eines Berliner "Quartier Latin" ein.
(7) Theaterviertel: Um die zehn große Theater und Variétéhäuser verzeichnet der Stadtplan von 1936 in der Friedrich-Wilhelm-Stadt und in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße. Einige Einrichtungen zeugen noch heute von der großen Theatertradition des Viertels, die mit dem 1842 eröffneten Friedrich-Wilhelmstädtischen Casino, dem heutigen Deutschen Theater, begann. 1893 kam das "Neue Theater am Schiffbauerdamm" hinzu, das heutige Berliner Ensemble. Die 1863 an der Panke errichtete erste Berliner Markthalle wurde bereits nach einem Jahr mangels Kundschaft geschlossen. 1873 wurde aus der Markthalle ein fester Zirkusbau, auf den der Straßenname Am Zirkus noch heute verweist. 1918 übernahm Max Reinhardt den Bau und ließ ihn von Hans Poelzig zum Großen Schauspielhaus umbauen. Die Statik des Gebäudes, das seit 1947 den Namen Friedrichstadtpalast trug, war dem metertiefen, torfigen Baugrund im Panketal jedoch nicht gewachsen. 1981 wurde der riesige Bau abgetragen und später durch den neuen Friedrichstadtpalast an der Friedrichstraße ersetzt.
Text z.T. aus zwei Broschüren der GrünBerlin GmbH. Auszugsweiser Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autoren.