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Für die Anfahrt kann man den Metrobus M 27 (Haltestelle Nordhafen) benutzen.

Diese Tour kann an die Tour A 2 Hauptbahnhof - Pankemündung anschließen.

Im Wedding: die beiden Enden der Panke

Der Ortsteil Wedding, der nicht identisch ist mit dem 2001 aufgelösten Bezirk Wedding, sondern nur dessen westliche Hälfte darstellt, wird von folgenden markanten Gewässern und Straßen begrenzt: im Süden und Westen der Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal, im Osten die Reinickendorfer Straße, und im Norden die Holländerstraße und der Kurt-Schumacher-Damm. Die einzelnen Viertel werden durch die Chaussee-/Müllerstraße und die Seestraße/Osloer Straße voneinander geteilt. Zentraler Platz dieses Ortsteils ist der Leopoldplatz mit der Alten Nazarethkirche von Schinkel. Am Rand des heutigen Ortsteils, am Nettelbeckplatz, befand sich mit dem Vorwerk Wedding der einzige historische Siedlungskern. Die Müllerstraße ist nach den zahlreichen Windmühlen benannt, die es hier früher gab.

 

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal

(1) Am östlichen Ufer des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal befindet sich eine durchgehende Promenade, die im Jahr 2009 völlig neu gestaltet wurde. Südlich der Sellerstraße führt der Weg über eine hölzerne Fußgängerbrücke. Diese überspannt ein kleines Vorbecken des Nordhafens, in das das Wasser der Panke nach ihrem ca. 33 km langen Flusslauf abfließt. Bei sämtlichen hier zu sehenden Gewässern handelt es sich jedoch um künstlich geschaffene Wasserwege. Angefangen hat der Wasserstraßenbau hier Anfang des 18. Jahrhunderts, als der preußische König Friedrich I. (1657 – 1713) eine schiffbare Verbindung zwischen seinen Schlössern Charlottenburg und Schönhausen verlangte. Der Weg zu Wasser schien ihm bequemer als der Transport auf der Landstraße. Dazu ließ er von der Spree aus, auf Höhe des heutigen Hauptbahnhofs, den Schönhauser Graben anlegen. Nach etwa zwei Kilometern traf der Graben auf Höhe der Schönwalder Straße auf das natürliche Flussbett der Panke. Trotz der Vertiefung der Panke durch mehrere Wehre ist die Schiffbarmachung bis Schönhausen nie fertiggestellt worden, da das königliche Interesse am Schloss Schönhausen nachließ. Dennoch spielt der Graben in zweierlei Hinsicht eine bedeutende Rolle: zum einen stellte er den südöstlichen Abschnitt des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals dar, der 1848-59 angelegt und  1910-16 für größere Schiffe vertieft wurde. Zum anderen stellt das 450 Meter lange Verbindungsstück zwischen dem heutigen Kanal und dem natürlichen Pankelauf heute den wichtigsten Abfluss der Panke dar. Der natürliche Pankelauf war ab der Verzweigung, die sich seit dem späten 19. Jahrhundert an der Schulzendorfer Straße befand, zuerst größtenteils verrohrt und später durch den Mauerbau an der Chausseestraße ganz vom Fluss abgetrennt worden. Streng genommen fließt das Pankewasser also über den Schönhauser Graben in den Kanal, während der Mündungsarm der Panke erst in den nächsten Jahren wieder vom Pankewasser gespeist werden wird. Fest steht: für die Berliner und insbesondere die Weddinger Industriegeschichte spielte die Schaffung der Wasserstraßen eine nicht unbedeutende Rolle. Nicht zufällig begann die stürmische Entwicklung der Berliner Maschinenbauindustrie an der unteren Panke.

 

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Die Pankemündung

(2) An der Stelle, wo der Kanal das für den Schönhauser Graben ausgehobene Flussbett verlässt und nach Westen abknickt, mündet heute die Panke in ein Vorbecken des Nordhafens. Die Panke fließt hier nicht in ihrem angestammten Flussbett, da sie auf ihrem letzten Kilometer ebenfalls in den Schönhauser Graben umgeleitet wurde. Von diesem etwas unwirtlichen letzten Abschnitt des 30 km langen Flusses sollte man sich nicht abschrecken lassen - abgesehen von diesen 450 Metern liegt die Panke überall frei. Der Park zwischen dem Pankemündungsbecken und der Sellerstraße wurde 2009 neu gestaltet und zeigt sich dem Betrachter jetzt als sehr moderne, nüchterne Grünanlage mit verschiedenen Terrassen. Zwei überdimensionale Schaukeln stellen einen sehr spartanisch gestalteten Spielplatz dar.

 

 

 

 

 

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Zwischen Boyenstraße und Chausseestraße

Rund um die Pankemündung ist eine städtebaulich konfuse Situation entstanden. Zum einen hat das Grün den ehemaligen Mauerstreifen überwuchert. Wer vorher die Promenade am Kanal aus Richtung Hauptbahnhof entlanggelaufen ist, hat an der Kieler Straße noch einen Wachturm der DDR-Grenzsicherungsanlagen entdecken können (siehe Tour A2).

Schaut man jedoch Richtung Nordosten, erkennt man hinter dem Eisstadion den Standort des Pharmaunternehmens Bayer-Schering. In dieser innerstädtischen und zugleich peripheren Lage hatte dieses einstmals bedeutende Berliner Unternehmen (Schering AG) bis vor kurzem seinen Stammsitz.

Weiter links erkennt man das Abspannwerk Scharnhorst (1929), ein sehenswertes Denkmal mit seinen expressionistischen Formen aus gelbem Klinker. Ursprünglich saß in dem Glasturm auf dem Dach ein Wärter, der zu entschieden hatte, wann die Berliner Straßenbeleuchtung ein- und auszuschalten war. Wir gehen jetzt die Boyenstraße (Berliner Mauerweg) links am Bundeswehrkrankenhaus entlang, bis wir auf die Müller-/Chausseestraße stoßen. Man hat hier in den 1980er-Jahren ein hässliches Wohnhaus direkt über die Panke gebaut (direkt unter dem Häuserriegel gibt es sogar eine kleine Pankebrücke). Hier hat bis in die 1970er Jahre noch ein großes Hertie-Kaufhaus gestanden, dem aber die ungünstige Lage an der Mauer zum Verhängnis wurde.

 

 

 

 
- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Durch den Südpankepark

(3) Wir halten uns jedoch rechts, wo wir sogleich auf den Südpankepark stoßen. An der Ecke Chausseestr./Liesenstr. befand sich ab Dezember 1963 die erste Grenzübergangsstelle für West-Berliner. Dies war nach dem Passierscheinabkommen nur für zwei Wochen möglich, wurde aber gleich von 700.000 Berlinern genutzt, die ihre Ost-Berliner Verwandten seit August 1961 nicht mehr sehen konnten. Auf der Fläche des ehemaligen Grenzübergangs befindet sich heute eine Rauminstallation von Karla Sachse: 120 Silhouetten von Kaninchen sind in den Boden eingelassen. Man muss genau schauen, bis man die Umrisse der kleinen Nager im Teer, zum Beispiel des Bürgersteigs finden kann. Wir gehen zurück in den Park. Dieser wurde in den 1950er Jahren auf dem Gelände einer Brauerei errichtet. Hier floss einst die Panke, deren (inzwischen wieder funktionsfähiger) Altarm unter dem Park in Rohre verlegt wurde. Bis 1868 befand sich hier das Ausflugslokal und die Flussbadeanstalt des Gastwirts Liese, nach dem die Liesenstraße benannt ist. Im Park, noch nah an der Liesenstr., steht eine Kalksteinskulptur ("Wiedervereinigungsdenkmal") von Hildegard Leest aus dem Jahr 1962. Am Ende des Parks erkennt man links ein rundliches Gebäude, die Rechenanlage an der Schulzendorfer Straße. In dieser automatischen Anlage wird nicht nur Unrat aus der Panke gefischt: hier verzweigt sich auch die Panke in ihren Altarm und den heutigen Mündungsarm. Man erkennt deutlich den runden Rohreingang, durch den das Wasser in den alten Pankearm geleitet werden kann. Dafür muss allerdings ein sogenanntes Schlauchwehr aktiviert werden: der Schlauch staut das Wasser an, und erst dann läuft die Panke über in das Rohr des Altarms!

 
 
- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Der Panke-Grünzug 

(4) Ab hier kann man immer am Wasser entlang den Grünzug begehen, der hier in den 1950er Jahren mit Mitteln des Marshall-Plans angelegt wurde. Nach einem Baustadtrat des Bezirks Wedding wurde der gesamte Grünzug Walter-Nicklitz-Promenade genannt. Das Erscheinungsbild der Vorkriegs-Panke ist hier vollständig verloren gegangen – nichts erinnert mehr an die dichte Mietskasernenbebauung, die die Panke in einem engen Bett zwischen den Hinterhöfen durchfloss. Durch diese schlechte Einbindung in die Stadt, verbunden mit der starken Verschmutzung des Flusses, entstand der Ausdruck Stinkepanke, mit dem das Gewässer viele Jahre belegt wurde. Heute ist durch die Regulierung und die grüne Umgebung der Panke schwer vorstellbar, dass das bei einem Hochwasser stark angeschwollene Gewässer 1888 das Fundament eines Hinterhauses an der Schulzendorfer Straße mit sich riss.

 
 

 

 

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Schönwalder Straße und Gerichtstraße

Ein kleines Wehr unter der reich dekorierten Schönwalder Straßenbrücke bringt ein wenig Abwechslung in die nicht sehr naturnah gestaltete Panke.

Ursprünglich erfolgte die Teilung der Panke in den alten Mündungsarm bzw. in den Schönhauser Graben erst an dieser Stelle. Später wurde der Abzweig weiter südlich verlegt.

Die auf der linken Seite befindliche Kunkelstraße war ursprünglich doppelt so breit. Sie wurde für die Anlage des Grünzuges halbiert.

Wenn man die Gerichtstraße erreicht, lohnt sich ein kurzer Abstecher in die Hofeinfahrt der Hausnummern 12/13 (rechts vom Weg aus gesehen). Hier befinden sich seit 1983 die Gerichtshöfe. Bis zu 70 Künstler arbeiten hier in ihren Ateliers in einem ausgedehnten, sich über mehrere Höfe erstreckenden Fabrikgebäude.

 

 

 

 

 

 

 

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Die "Wiesenburg" 

(5) Nach Überquerung der Gerichtstraße ändert sich das Bild der Panke aber dramatisch: zwischen Wohnhäusern in einem rot eingemauerten Kanal eingeklemmt, wird das Flüsschen hier windungsreicher. Dieser erst 2006 angelegte Lückenschluss bietet auf engstem Raum eine neue metallische Fußgängerbrücke und eine Hausdurchfahrt durch einen Gewerbehof, eine ehemalige Wäschefabrik. Für die Planung zeichneten übrigens deutsche und französische Landschaftsarchitekturstudenten verantwortlich. Auf der rechten Seite erkennt man die pittoreske Ruine der "Wiesenburg". Dabei handelt es sich weder um eine Fabrik, wie man vermuten könnte, noch um eine Burg - sondern um ein ehemaliges Obdachlosenasyl aus dem Jahr 1896 (Männerasyl) bzw. 1907 (Frauenasyl). Das Besondere an diesem Obdachlosenasyl war, dass man für eine Nacht anonym bleiben konnte und nicht christlich missioniert wurde. Sogar der "Hauptmann von Köpenick" und der Schriftsteller Hans Fallada haben (sicher eher unfreiwillig) hier genächtigt. Das romantisch-verfallene Ensemble diente auch als Filmkulisse, z.B. für den Film "Die Blechtrommel".

 

 

 

 

 

 

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Kurz vor der Ringbahnbrücke kann man sogar hinabsteigen zur munter plätschernden Panke und fast schon vergessen, dass man sich mitten in einer Großstadt befindet. Hier ist eine kleine Aue entstanden, die zum Vorbild für die in Kürze anstehende Teil-Renaturierung der Panke werden könnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nach Unterquerung der Ringbahnbrücke, die bei ihrem Wiederaufbau Anfang des 21. Jahrhunderts eine unschöne Lärmschutzwand erhielt, gelangt man auf die Pankstraße (nahe S+U-Bahnhof Wedding). Auf der rechten Seite befindet sich die Herbert-Hoover-Schule, einst das erste Weddinger Gymnasium. Das von Stadtbaumeister Blankenstein 1884-87 errichtete Gebäude besitzt eine klassisch anmutende Backsteinfassade mit einem farbigen Fries.

Wer hier weiter an der Panke entlang gehen möchte, sollte unsere Anschluss-Tour B 1 ausprobieren.

Für die Rückfahrt bzw. Weiterfahrt empfiehlt sich der nahe gelegene Bahnhof Wedding ( S 41, S 42, U 6) bzw. der auf der Pankstraße fahrende Bus M 27.