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Foto: Die Panke am OberlaufBeschreibung eines Flusses

Auszüge aus der Dokumentation "Die Panke in Berlin-Mitte"(1992) der GrünBerlin, durch panke.info aktualisiert, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autoren

Das Flusssystem der Panke dient neben dem des Tegeler Fließes der Entwässerung des östlichen Barnim im Norden Berlins.

Das heutige, mit 2-5m verhältnismäßig schmale Flussbett der Panke bzw. ihrer Zuflüsse liegt in einem System von breiteren Schmelzwasserrinnen, die in der Weichseleiszeit angelegt und in der Nacheiszeit (Holozän) weiter ausgeformt wurden. Dieses Rinnensystem zerschneidet sowohl die Grundmoränenhochfläche als auch die vorgelagerten Sander- und Talsanderflächen des östlichen Barnim in nordost-südwestlicher Richtung. Es mündet schließlich in das Berlin-Warschauer Urstromtal, das in diesem Abschnitt von der Spree durchflossen wird. 

Die Quelle der Panke liegt in der Brandenburgischen Feldmark nordöstlich der Stadt Bernau (Pankeborn) auf der Grundmoränenhochfläche des Barnim (ca. 70 m über NN). Das Panketal führt in südwestlicher Richtung durch eine flachwellige Landschaft, die durch den Wechsel von großen Geschiebemergelflächen und kleineren Geschiebesandflächen gekennzeichnet ist.

Der Übergang in das Berlin-Warschauer Urstromtal erfolgt für das Panketal im Ortsteil Wedding etwa zwischen Nettelbeckplatz und S-Bf. Humboldthain. Im Bereich Schulzendorfer Straße verzweigt sich das Panketal in zwei parallel laufende Rinnen. Zusammen mit einer dritten, westlich gelegenen Rinne streben diese nach Südosten der Spreeniederung zu. Der ursprüngliche Flusslauf der Panke zog sich ab der Schönwalder Straße in einer heute nur noch rudimentär erhaltenen Trasse über den Südpankepark, das Areal des Stadios der Weltjugend und der Humboldt-Universität (Veterinärmedizin) und mündete am Schiffbauerdamm westlich der Weidendammer Brücke in die Spree.

Von der Quelle bis zur Mündung hat die Panke eine Strecke von ca. 27 km mit einem Gesamtgefälle von ca. 40 m zurückgelegt.

Geschichte:

Foto: Mündung des Lietzengrabens nahe KarowMit der Fertigstellung des Schönhauser Grabens um 1713, der in Höhe der Schönwalder Straße von der Panke abzweigte, wurde der Pankeunterlauf zwischen Schönwalder Straße und Spree zu einem relativ wasserarmen Altarm. Die Fahrrinne des Schönhauser Grabens und der teilweise Ausbau der Panke ermöglichten eine schiffbare Verbindung zwischen dem Schloss Charlottenburg und dem Schloss Schönhausen. Heute verläuft der zwischen 1847 – 1855 gebaute Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal im Bett des Schönhauser Grabens zwischen der Sandkrugbrücke und dem Nordhafen. Das letzte erhalten gebliebene Stück des Schönhauser Grabens befindet sich zwischen der Rechenanlage an der Schulzendorfer Straße und dem Erika-Hess-Stadion. Er trägt heute allerdings – fälschlicherwiese – den Namen Panke, vermutlich weil er seit der Abtrennung der Alten Panke (dem eigentlichen Unterlauf) allein die gesamten aus Bernau kommenden Wassermengen dem Nordhafen zuleitet. Der Schönhauser Graben bildet hinsichtlich Funktion, Gestaltung und Erscheinungsbild eine Einheit mit dem kanalisierten Pankeoberlauf. Die eigentliche Panke im Ortsteil Mitte trägt heute die offizielle Bezeichnung "Südpanke". In diesem Text wird die Bezeichnung Alte Panke verwendet. 

Der Ursprung des Namens Panke ist vermutlich wendisch: "Pankowe" bedeutet soviel wie "Fluss mit Strudeln". Die Panke war demzufolge ein mitunter sehr lebhaftes Gewässer, das häufig im Frühjahr und Herbst über seine Ufer trat und beträchtlichen Schaden anrichtete.

Schon früh wurde die Wasserkraft der Panke zu gewerblichen Zwecken genutzt. Neben zahlreichen Gerbereien, Wachs- und Tuchbleichplätzen fand bereits 1735 im Landbuch Karls IV. eine Wassermühle Erwähnung.

In der später mit Wehren ausgestatteten Panke ließ sich der Wasserstand besser regulieren. Neben den an der Panke gelegenen Mühlen nutzten daher in den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts auch zahlreiche Gerbereien und andere auf Wasser angewiesene Gewerbebetriebe den Fluss. Die Einleitung ihrer Abwässer und die damit einhergehende Geruchsbelästigung behinderten die ansässigen Mühlenbetriebe und führten zu zahlreichen Protesten der Anwohner. 

Im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts wurde die Panke in ihrem Oberlauf begradigt und um 1 – 1m5 m vertieft. Der Hauptgrund ihrer Kanalisierung lag in dem Ausbau eines leistungsfähigen Vorfluters für die 1876 in Buch , Hobrechtsfelde, Blankenfelde und Blankenburg angelegten Rieselfelder. Berlin erhielt ein nach Plänen von Hobrecht, Koch und Virchow angelegtes Entwässerungssystem.

Mit der beginnenden Kanalisation durch das angelegte Radialsystem konnten zwar die Haushaltsabwässer und Fäkalien entsorgt werden. Doch erst mit dem Einsatz von Dampfmaschinen verlor die Wasserkraft der Panke an Bedeutung. Dies veranlasste viele der Abwasser einleitenden Betriebe zu einem Standortwechsel und führte zu einer Verbesserung der Wasserqualität.

 

Foto: Reaktivierter Abschnitt der Südpanke - noch fast wasserlosInsgesamt führte die Alte Panke ein eher introvertiertes Dasein; öffentliche Bereiche wie Promenaden, Wege oder Plätze hat es an der Alten Panke nicht gegeben. Bereits im 18. Jahrhundert wurde die landschaftlich reizvolle Panke in private Gartenanlagen integriert oder hatte die Funktion einer natürlichen Grenze gärtnerisch genutzter Grundstücke. Später litt das Image der Panke unter der hohen Abwasser- und Unratbelastung, die ihr den Beinamen "Stinkepanke" einbrachte. Als man sich auf soziale und hygienische (sanitäre) Bedeutung des Stadtgrüns besann, fehlten die Durchsetzungsmöglichkeiten für eine öffentliche Nutzung der Pankeufer angesichts der Parzellen-, Eigentums- und Baustruktur.

Erst der Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs führte zumindest in West-Berlin ab 1951 mit der Schaffung des Weddinger Panke-Grünzugs zur Umsetzung von planerischen Leitbildern, wie sie bereits in den 1920er Jahren u,.a. von Martin Wagner entwickelt worden waren. Andererseits ging die Anlage des Südpankeparks auf einem Brauereigelände an der Chausseestraße mit der Zuschüttung der Alten Panke nördlich bzw. mit deren Verrohrung südlich der Schulzendorfer Straße einher.

Die Ortsteilgrenze zwischen Wedding und Mitte bildete jedoch im Hinblick auf die Entwicklung der Panke nach 1945 eine deutliche Zäsur. In Mitte führte die Panke auch weiterhin ein Dasein weitgehend unbeachtet als kanalisiertes Gewässer zwischen Hinterhöfen und Gewerbegrundstücken. 1961 wurden letzten ca. 2,6 km des Unterlaufs im Zuge der "Grenzsicherungsmaßnahmen" durch Verfüllung und Zerstörung des Dükers Chausseestraße vom Oberlauf abgetrennt. Von diesem Zeitpunkt an wird die Panke allein über den ehemaligen Schönhauser Graben in das Nordhafenvorbecken und damit den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal eingeleitet.

Die Alte Panke verlor damit ihren Charakter als offenes Fließgewässer und wurde nunmehr nur noch aus Regenwasser und gelegentlichen Grundwassereinleitungen gespeist. Allein diese Funktion als Vorfluter für einmündende Regenwasserkanäle bewahrte die Alte Panke vor ihrer endgültigen Zuschüttung.

 

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar - Mehr über die Panke auf panke.info:

Zahlen rund um die Panke

Eine Wirtschaftsgeschichte der Panke

Über die geplante Renaturierung "Panke 2015"

Durch welche Orte fließt die Panke?

Welche Wege führen die Panke entlang?

Besuchen Sie die Panke auf einer unserer Touren oder "virtuell" als Fototour!

Weiterführende Links:

Artikel über die Panke bei Wikipedia

Karte des Flusssystems Panke mit Neben- und Zulaufgewässern

Ein Beitrag des Deutschlandfunks am 18.10.2009 über die Panke (Textversion)