Hintergrundinformationen

In diesem Abschnitt finden Sie Hintergrundinformationen rund um die Panke.

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„Schiffbauerdamm Nummer zwee fließt die Panke in die Spree“ – Was Berliner Schüler einst als Merksatz paukten, hat schon lange seine Gültigkeit verloren. Längst wird das Pankewasser über den künstlich angelegten Schönhauser Graben in den Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal geleitet. Überhaupt muss inzwischen vieles, was der Volksmund über Berlins „zweiten Stadtfluss“ zu wissen glaubt, auf seine Richtigkeit überprüft werden. Aber das negative Bild von der „Stinkepanke“ hat sich als besonders nachhaltig erwiesen. Wilhelm Bölsche nannte die Panke 1894 „ein geheimnisvolles Gewässer, bald offen, bald versteckt, bald als versandete Ader mit grünen Buschufern, bald ein schwarzer Schlund, der zwischen schmutzigen Hauswänden in ewiger Finsternis dahinödet und einen Duft aushaucht, der selbst dem entschlossensten Selbstmörder Bedenken einflößen könnte.“ Und auch Claire Waldoff konnte sich ebenso wenig wie die Berliner Schnauze nicht entgehen lassen, dass sich „Panke“ hervorragend auf „Gestanke“ reimt. Aber auch wenn heute das Bild einer stinkenden, durch Hinterhöfe rinnenden Kloake nicht mehr stimmt, einen seiner Bedeutung angemessenen Anblick bietet der letzte Nebenfluss der Spree wahrlich an kaum einer Stelle des 27 Kilometer langen Gewässerlaufs.

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In den bis 1920 gültigen Stadtgrenzen flossen durch Berlin als natürliche Gewässer nur die Spree und die Panke. Der Panke-Quellort Bernau, noch im Mittelalter berühmt für sein auch aus Pankewasser gebrautes Schwarzbier, lag fernab auf den Höhen des Barnim. Schon ab dem 13. Jahrhundert ist mit der Erwähnung der Mühle an der heutigen Badstraße eine erste wasserwirtschaftliche Nutzung der Panke belegt. Inzwischen ist die Panke auf ihrer gesamten Länge vom Menschen verändert, begradigt und in Spundwände eingezwängt worden. Man hat sich schon früh ihr Gefälle von 40 Metern zunutze gemacht, um Mühlräder von bis zu acht Mühlen anzutreiben. Bis zu 30 Färbereien, Leimsiedereien und Gerbereien haben der Panke Wasser entnommen, um es dann stark verschmutzt wieder in den Fluss zu einzuleiten. Die Verzehnfachung der Einwohnerzahl Berlins im 19. Jahrhundert führte dazu, dass die einst fast vollständig außerhalb der Stadtmauern liegende Panke heute auf ihrer gesamten Länge in einem großstädtisch oder suburban geprägten Umfeld liegt. Als dann in den 1890er Jahren die Rieselfelder nordöstlich Berlins angelegt wurden, um die Abwässer aus der neu angelegten Kanalisation landwirtschaftlich nutzbar zu machen, diente die Panke der Entwässerung des intensiv genutzten Areals. Auch heute noch wird das Regenwasser im Panke-Einzugsgebiet selten zurückgehalten. Statt dessen fließt es meist auf schnellstem Wege in die Panke. Dass die Panke trotzdem seit 1980 kein größeres Hochwasser erlebt hat, hat verschiedene Gründe. Zum einen gibt es den künstlich angelegten Nordgraben, der seit den 1930er Jahren große Teile des Pankewassers von Blankenburg in Richtung Tegel abzweigt. Zum anderen wurden drei Rückhaltebecken angelegt.

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Die großen Industriebetriebe sind heute verschwunden und auch die Rieselfelder werden seit 1986 nicht mehr mit neuen Abwässern belastet. Die Gewässerqualität der Panke ist im Begriff, sich langsam wieder zu verbessern. Von biologischer Vielfalt in Flora und Fauna kann an diesem Fluss dennoch nicht die Rede sein. Der Grund liegt in der Gewässerstruktur, die durch den jahrzehntelangen Fokus auf Wasserableitung und Hochwasserschutz sträflich vernachlässigt wurde. Dass die Panke zum Modellprojekt für die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ausgewählt wurde, zeigt, welchen Handlungsbedarf auch die zuständigen Behörden sehen.

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