Woher kommt der Name Gesundbrunnen?

Das Restaurant Louisenbad wird um 1890 von neuen, höheren MietshäusernDas Brunnenhaus wurde erst versetzt, dann abgerissenWeder die trostlose Betonplatte des „Hanne-Sobek-Platzes" über dem Fern- und Regionalbahnhof noch die äußere Erscheinung der umliegenden Gebäude lassen heute noch erahnen, wo die Herkunft des Namens Gesundbrunnens zu suchen ist. Tatsächlich war an der Stelle, an der die heutige Badstraße die Panke kreuzt, für einige Jahre ein Kurbetrieb angesiedelt, dem der ganze Ortsteil seinen Namen verdankt. Spätestens seit 1702 ist die Pankebrücke erwähnt, und kurz darauf entstand an dieser Stelle eine Walkmühle. Deren Nachfolgegebäude von 1844 mit aufgemaltem Mühlrad kann man heute noch dort finden.

Doch zurück zum Kurort. Gegenüber der Mühle, hinter den Häusern an der heutigen Badstraße Nr. 35-39, wurde 1748 erstmals eine Quelle erwähnt, deren Wasser nach einer Untersuchung als heilend galt. Ab 1757 errichtete Hofapotheker Behm mit königlicher Finanzhilfe ausgedehnte Kureinrichtungen, zu Ehren König Friedrich II. namens "Friedrichs-Gesundbrunnen": ein sechseckiges Badehaus, Behandlungshäuser und eine Gastwirtschaft. Doch der Boom als Heilbad hielt nur wenige Jahre an, das zwischenzeitlich verfallene Kurbad wurde vom neuen Besitzer ab 1809 in Luisenbad umbenannt. Die Namensgeberin war natürlich die damals sehr beliebte Königin Luise, die selbst Gast des Kurbads gewesen sein soll.

Detail des Luisenbads (heute Bibliothek)Auch baulich fanden vor 200 Jahren Veränderungen am "Luisenbad" statt. Der Brunnen wurde in ein neues achteckiges Gebäude mit der Aufschrift "In fonte salvs" eingefasst. Die Allee nach Berlin nannte man Brunnen- bzw. Badstraße. Die Verschmutzung der Panke, maßgeblich durch die flussaufwärts liegenden Gerbereien verursacht, hat den baldigen Niedergang des Luisenbads als Kurort beschleunigt. Am Rand der stark wachsenden Hauptstadt gelegen, wurde der Gesundbrunnen mehr und mehr zu einer Vergnügungsmeile mit Ausflugslokalen, was er bis in die 1960er Jahre auch blieb. Und die Quelle? 1869 bei Bauarbeiten lädiert, versiegte sie später bei der vollständigen Bebauung des Areals mit Miethäusern. An einer Hauswand an der Badstraße Ecke Travemünder Straße lebt sie aber noch weiter, als Reliefdarstellung des Brunnenhauses von 1809.

An der heutigen Bibliothek in der Travemünder Straße zeugt die Aufschrift "Kafé-Küche" noch von der Epoche des Vergnügungsviertels. Nur ein kleiner Teil des damaligen Etablissements "Marienbad", das aus dem Luisenbad hervorging, ist noch erhalten. Neben dem Restaurant mit Festsaal, dessen Vestibül als Eingangsbereich der Bibliothek erhalten blieb, gab es auch noch ein Stadtbad mit Wannebädern, Dampfsauna und Außenschwimmbecken. Am bekanntesten dürfte jedoch der Biergarten gewesen sein: "Hier können Familien Kaffee kochen" - dieser Tradition folgte man auch an diesem Ort, wovon der aus Backsteinen in der Bibliotheksfassade gebildete Schriftzug "Kafé Küche" noch heute Zeugnis ablegt.