Stadtspaziergang Wedding
"Vom Bürgerpark Pankow bis zur Ringbahn"
Der Name Panke stammt vermutlich vom slawischen Wort für “Fluss mit Strudeln” ab. Heute ist es kaum mehr vorstellbar, dass das beschauliche Flüsschen bis zu seiner Regulierung im Jahre 1908 keineswegs immer nur vor sich hin plätscherte. Der Stadtspaziergang führt vom bürgerlichen Pankow-West direkt in die gründerzeitlichen Stadtviertel rund um die Soldiner Straße. Hier am Rand der alten Residenzstadt Berlin wurden auch großzügige Friedhöfe angelegt. Die begrünten Fußwege an der Panke streifen das einst als Erholungsort bekannte Luisenbad, dessen Bedeutung man im Stadtteilnamen Gesundbrunnen noch erahnen kann. Von den Arbeitervierteln des “Roten Wedding” sowie dem damit verbundenen sozialen Elend sind ebenfalls einige steinerne Zeugen zu besichtigen. Diese Wanderung bietet überraschende und abseitige Einblicke auf wenig bekannte Seiten der Stadt.
Startpunkt des Wanderwegs ist der S-Bahnhof Wollankstr. am Ausgang zur Sternstraße. Das Eckhaus Sternstr.15 /Nordbahnstr.9 ist ein im Stil der Neorenaissance reich dekoriertes großbürgerliches Mietshaus aus dem Jahr 1896. Die Sternstraße kreuzt die Kattegatstraße an einem Platz mit abgeschrägten Ecken. Am Ende der Sternstraße geht es rechts weiter in die Gottschalkstr. Wenn diese rechts abbiegt, gehen wir geradeaus weiter auf einen Fußweg.
Biegt man vor der Brücke links ab in die Walter-Nicklitz-Promenade, kann man an der Panke und an einem Regenauffangbecken entlang gehen. An einer hölzernen Fußgängerbrücke geht es über die Panke.
An der Heubuder Straße, durch die wir hindurchgehen, liegt die Siedlung Brunnenhof aus den Jahren 1925-30 mit ihren abwechslungsreich gestalteten hellen Putzfassaden mit verklinkerten Bändern. Biegt man nach links in die Fordoner Straße, erkennt man am Platzende eine Schule, die von Ludwig Hoffmann in einem barock anmutenden Stil 1914 errichtet wurde.
Ein Gedenkstein auf dem Platz ist dem in diesem Viertel geborenen Schauspieler Harald Juhnke gewidmet. Man hält sich nun links, geht die Zechliner Straße bis ans Ende und trifft dort wieder auf den Pankegrünzug. Es geht nun rechts in die Stockholmer Straße. Die Panke wird an der Soldiner Straße wieder überquert.

In der Straßenflucht wird nun die Stephanuskirche mit ihrem 80 m hohen Turm sichtbar. Die 1904 geweihte evangelische Kirche ist im neugotischen Stil erbaut und beeindruckt sowohl durch ihre äußere nahezu quadratische Form als auch durch den mit zahlreichen Bildern und Statuen dekorierten Innenraum. An der Kirche biegen wir links in die Prinzenallee.
Wo die Prinzenallee an der ehemaligen Stadtgrenze zwischen Berlin und Pankow ihren Namen ändert, an der Wollankstr. 66, befindet sich der Eingang zum St-Elisabeth-Friedhof / Sophienfriedhof. Es geht immer gerade aus durch den Friedhof. Vor der gelben Backsteinkapelle (man beachte die beeindruckenden Familiengräber) biegen wir nach rechts in die Freienwalder Str.
An der Ecke Soldiner Straße geht es kurz nach rechts, und an der nächsten Kreuzung biegen wir links in die Wriezener Straße ein. Im Haus Nr. 10-11 befindet sich die ehemalige Fabrikantenvilla "Schott" im klassizistischen Stil. Es geht nun rechts in die Biesentaler Straße mit ihren vollständig erhaltenen, teilweise im klassizistischen Stil errichteten Mietshäusern aus den Jahren 1873- 77. Ungewöhnlich sind die turmartigen Erhöhungen mancher Häuser. Wir treffen wieder auf die Prinzenallee, überqueren diese an der Ampel und halten uns rechts.
Die Häuser Prinzenallee 57-59 sind gut erhaltene Beispiele der opulent verzierten Mietshäuser aus dem späten 19. Jahrhundert. Im Haus Nr. 58 entdeckt man in den Höfen die ehemalige Hutfabrik Gattel, deren Fabriketagen heute von der Genossenschaft Nachbarschaftshaus Prinzenallee 58 als Veranstaltungsräume und Wohnungen genutzt werden. Es geht nun wieder zurück auf die Prinzenallee, weiter über die Gotenburger Straße mit einem sehenswerten roten Schulgebäude bis zur Ecke Osloer Straße.
Wir gehen rechts in die Osloer Straße. An der Ecke (Hausnr. 16/17) steht das Abspannwerk Christiania. Die Osloer Straße wird nach ca. 200 m an der Fußgängerampel überquert. Hier treffen wir wieder links von einer Straßenbrücke auf den Pankegrünzug (Walter-Nicklitz-Promenade). Nun geht es an der Panke weiter, die hier einen ausgetrockneten Seitenarm besitzt. Auf der rechten Seite ist die rot verklinkerte Tresorfabrik Arnheim von 1887 zu erkennen.


Wir erreichen nach einigen hundert Metern das Marienbad aus dem Jahr 1874. Weiter an der Panke, entdeckt man hinter einer kleinen Brücke auf der rechten Seite die Pankemühle aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Standort des Mühlrads ist farbig auf der Wand angedeutet. Direkt dahinter liegt das Wohngebäude für die Arbeiter der Tresorfabrik. Das Eckhaus Badstraße 38/39, das Luisenhaus, fällt durch eine einmalige Formensprache auf. Es wurde 1892/93 an der Stelle errichtet, wo sich die Heilquelle des Gesundbrunnens befand. Das Haus, Badstr. 35/36 besitzt eine ebenfalls ungewöhnliche Jugendstilfassade. Es handelt sich um das Wohngebäude, das zum Marienbad an der Panke gehört.
An der Ecke Badstr. 50/51 befindet sich die evangelische St-Pauls-Kirche, die von Schinkel 1832-35 errichtet wurde. Sie besaß ursprünglich keinen Turm, ähnlich wie die Alte Nazarethkirche am Leopoldplatz und erinnert an einen antiken Tempel. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg innen zerstört und in moderner Form wieder aufgebaut. Der Glockenturm stammt aus dem Jahr 1890. Wir gehen nun die Badstraße zurück und überqueren die Panke.
Links von uns liegt der Straßenbahnbetriebshof aus dem Jahr 1927 im Stil der Neuen Sachlichkeit. Er liegt auf einer ehemaligen Pankeinsel, was am spitz zulaufenden Ende des Betriebshofs an einem runden Turm gut zu erkennen ist. Bereits 1873 lag hier ein Betriebshof der Pferdebahn. Die erste Pferdebahnlinie der Stadt verkehrte zwischen Badstraße und Rosenthaler Platz. Der Betriebshof wurde schon bald zu klein, so dass eine Erweiterung an der Uferstraße erfolgte. Sowohl die Bauten der Anfangsjahre als auch die Erweiterungen auf der ehemaligen Pankeinsel, die 1926-31 von Jean Krämer entworfen wurden, sind teilweise baulich verändert erhalten. Bemerkenswert ist insbesondere die knapp 150 Meter lange Werkstatthalle an der Uferstraße (heute als Omnibuswerkstatt genutzt).

Wenn wir dem Pankeweg weiter folgen, ist linkerhand die Rückseite des Amtsgerichts Wedding zu sehen. Im spätgotischen Stil in den Jahren 1901-1906 von den Architekten Mönnich und Thoemer errichtet, dominiert es den es umgebenden Brunnenplatz. Diesen Schmuckplatz kann man direkt vom Pankegrünzug aus über die Schönstedtstraße erreichen. Wir gehen zurück zur Panke.
Wer dem Pankegrünzug weiter in Richtung Süden folgt, bemerkt rechts des Weges eine verwilderte, umzäunte Brache. Hier produzierte bis Ende der 80er Jahre Rotaprint Offset- und Vervielfältigungsmaschinen. Die Produktionshallen wurden nach Werksschließung abgerissen.
An der Ecke Uferstraße/Wiesenstraße befindet sich ein Gedenkstein an Straßenkämpfe der Weimarer Republik. Weiter geht es an der Panke entlang. Nach 200 m erreichen wir die verkehrsreiche Pankstraße, die man am besten an der 100 m weiter links gelegenen Ampelanlage überquert. Wieder zurück an der Panke, unterqueren wir nun die Ringbahn und sehen auf der anderen Seite der Panke die “Wiesenburg”. An dieser Stelle kann man über Metalltreppen direkt an die Panke herantreten.
Zwischen dem Gewerbehof des “Lebenshaus Mitte” und der Kolberger Straße ist der Pankeweg seit August 2006 ausgebaut und man erreicht direkt die Gerichtstraße. Biegt man in diese rechts ein, gelangt man zum Nettelbeckplatz und zum S-Bahnhof Wedding.
Autoren: Joachim Faust, Christoph Schierholz
Fotos: Ralf Hertsch
>> Einen weiteren direkt anschließenden Stadtspaziergang bis zur Spree finden Sie hier.
>> Mit dem Fahrrad kommen Sie natürlich noch weiter, aber schauen Sie hier selbst....