- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -



Die Planungen entlang der Panke im Rahmen von "Panke 2015"


So sieht die Panke an Flusskilometer acht ausViel besungen, viel geschmäht: die Panke, der letzte Nebenfluss der Spree und nach dieser das zweite Ur-Berliner Fließgewässer. Die Menschen haben dem knapp 30 Kilometer langen Fluss übel zugesetzt: Gerbereien und Färbereien, Papiermühlen und die Entwässerung der Rieselfelder haben das einst so fischreiche Gewässer verschmutzt – heute haben nur zwei besonders hartnäckige Fischarten überlebt. Das ungehemmte Wachstum der Millionenstadt Berlin rückte auch der Panke zu Leibe, die immer weiter eingeschnürt und verengt wurde.

 

 

 

 

Am Berliner Ring zwischen Buch und KarowDer Name Panke soll vom slawischen Wort für „Fluss mit Strudeln“ abstammen. Mit häufigen Hochwassern war denn auch noch bis ins 20. Jahrhundert zu rechnen. Zahlreiche Maßnahmen sollten den Schutz vor Überschwemmungen verbessern, aber dem Ökosystem Panke hat man damit den Garaus gemacht.

Dies soll sich nun radikal ändern. Zwar ist eine Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union nur der offizielle Anlass für die Umgestaltung der Panke. Doch die beteiligten Länder Brandenburg und Berlin haben den geschichtsträchtigen und doch so unscheinbaren Fluss zu einem Modellprojekt erklärt, der auch in der Fachwelt große Beachtung findet: nahezu auf der gesamten Länge, davon allein 18 Kilometer auf dem Boden der Millionenstadt Berlin, werden kleine und große Baumaßnahmen projektiert. Durch sie soll die Panke auf weiten Strecken ein neues Bett erhalten, windungs- und somit abwechslungsreicher fließen und wieder in einen guten ökologischen Zustand gebracht werden.


 

 

 


- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Die Panke macht es einem zunächst nicht einfach. Wer ihre Quelle in Bernau sucht, riskiert, in diesem brandenburgischen Städtchen schnell enttäuscht zu werden. Nur eine Feuchtwiese im Ortsteil Pankeborn und ein Weiher namens Teufelspfuhl sind als Quellgebiet ausgewiesen. Auch weiter bachabwärts bleibt die Panke eher ein trauriges Rinnsal in einem unscheinbaren Graben als ein plätschernder Bach.

 

 

 

 




Die Panke am Bahndamm in ZepernickIhr Weg führt sie zwar oft durchs Grüne, aber mit den vorstädtischen Siedlungsgebieten, Straßen und Bahntrassen der Umlandorte Zepernick und Bernau geht die Panke immer wieder eng auf Tuchfühlung. Auch wenn sie nicht gerade das Bild dieses Vorortes bestimmt, ist sie doch die Namensgeberin der 2003 gebildeten Gemeinde Panketal gewesen.










 

 

 



In den PölnitzwiesenNachdem die Panke die Landesgrenze nach Berlin erreicht hat, fließt sie schnurgerade durch die Pölnitzwiesen. Eine neue "Trasse" wurde hier für den Pankeweg und den Radfernweg Berlin-Usedom angelegt.










Foto: In den Pölnitzwiesen gibt es ausreichend Platz für die neue PankeHier sehen die Planer das Potenzial für ein breites Auengebiet, wo sich der Fluss bei Hochwasser auf weiten Flächen in seiner natürlichen Dynamik ausbreiten kann. Der Flusslauf soll so verändert werden, dass Mäander, also Flusswindungen, entstehen. Hier kann das Wasser mal schnell, mal langsam fließen und damit den Bedürfnissen verschiedener Fische und Pflanzen Rechnung tragen. So mögen Forellen und Bachneunaugen strömungsreiche Gewässer, während sich Hechte in den ruhigeren Abschnitten wohler fühlen. Auch bleibt der Wasserstand in den Auen nicht immer gleich hoch, worauf sich die Flussbewohner in einem natürlichen Gewässer eingestellt haben.

 

 

 

 




Eine der vielen Brücken im Schlosspark BuchIn Berlin-Buch bildet die Panke mit ihren zahlreichen Verzweigungen und Nebenkanälen das Herzstück des Schlossparks Buch. Vom Schlösschen ist nach dem Abriss in den 1960er Jahren nichts mehr übrig, nur die Barockkirche und ein Gutshof erzählen noch von der bewegten Geschichte dieses Dorfes. Auch macht der Park heute keinen gepflegten Eindruck mehr, so dass eine naturnahe Panke eine Verbesserung darstellen dürfte.

 

 

 



Die Lietzengrabenmündung auf Höhe der Karower TeicheHinter Buch unterquert die Panke den Berliner Autobahnring und die Stettiner Bahn. Hier mündet ein bedeutendes Nebengewässer, der Lietzengraben. Früher entwässerte dieser die ausgedehnten Rieselfelder bei Hobrechtsfelde und hat zur hohen Nährstoffbelastung der Panke maßgeblich beigetragen. Und doch befindet sich hier das einzige größere Naturschutzgebiet in direkter Nachbarschaft der Panke: die Karower Teiche. Die früheren Fischweiher, die sich aus Kiesgruben entwickelt haben, sind zum Vogelschutzparadies geworden. Auf Aussichtsplattformen kann man das Vogeltreiben gut beobachten.

 

 

 

 

Die Panke auf Höhe der Autobahn A 114Weiter fließt die Panke zwischen den Ortsteilen Blankenburg und Französisch Buchholz an tausenden Kleingärten vorbei. Auch die Autobahn A 114 kommt der Panke auf mehreren Kilometern so nahe, dass man dem Verkehrslärm kaum entgehen kann.









Die Panke und die Autobahn A 114 - direkt nebeneinanderHier wird die Anpflanzung von Baumarten geplant, die das Wasser lieben und zum anderen für mehr Schatten sorgen. Erlen und Weiden gelten als standorttypisch für einen Gewässerrandstreifen und führen zu einem stabileren Ufer. Das Erlenlaub ist bevorzugte Nahrung von Insektenlarven und Krebsen. Die Bäume mit ihrem Schatten können zudem einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die Panke im Sommer abzukühlen, wodurch der Sauerstoffgehalt steigt. Außerdem soll dadurch auch der Verkrautung der Panke entgegengewirkt werden, die einen hohen Unterhaltungsaufwand nach sich zieht.



 

 

 



Der Abzweig des NordgrabensIn Blankenburg kann man einen der zahlreichen Eingriffe durch den Hochwasserschutz erleben. Hinter einem Verteilerbauwerk hat man die Panke aufgestaut. Hier zweigt seit den 1930er Jahren der künstlich angelegte Nordgraben ab, der bei Hochwasser einen Teil des Pankewassers in Richtung Tegeler See ableitet. Zuletzt hat es in der Innenstadt 1980 ein Hochwasser gegeben.







Foto: Der Teich vor dem Nordgrabenabzweig
Die Senatsplanungen sehen vor, das Verteilerbauwerk so zurückzubauen, dass der Fluss für Fische „durchgängig“ wird. Das bedeutet, dass Fische aus dem Gewässersystem der Elbe, Havel und Spree, zu dem die Panke gehört, pankeaufwärts schwimmen können. Derzeit stehen noch 14 Wehre, Abstürze und Grundschwellen im Weg, die entweder ganz beseitigt oder durch rampenartige „Sohlgleiten“ ersetzt werden. Sogar ein Tunnel unter der U-Bahn an der Chausseestraße in Berlin-Mitte wurde daraufhin getestet, dass Fische ihn durchqueren können.

 

 

 


Windungsreicher geht es durch den SchlossparkZurück nach Blankenburg. Hier begleiten die Karpfenteiche die ansonsten noch eingeschnürte Panke, die bald den Schlosspark Schönhausen erreicht. Der berühmte Gartenarchitekt Lenné hat die Grünanlage rund um das Barockschloss entworfen. Der Schlosspark erinnert an eine englische Gartenlandschaft, die die Panke windungsreich, aber ansonsten doch recht eintönig durchfließt. Die Planungen sehen hier vor, das große Raumpotenzial für Mäander und Inseln zu nutzen.

 

 

 

 


Zwischen Winkelstützelementen aus Beton fließt die Panke durch PankowDie Panke erreicht Pankow, immerhin den Namensgeber des bevölkerungsreichsten Berliner Bezirks, in dem sie auf einigen hundert Metern in Betonprofile eingeengt durch private Grundstücke fließt.

Hier soll die Panke trotz beengten Raumes eine schmale betonierte Flussaue erhalten, auch um den Hochwasserschutz der Anwohner zu verbessern. Dieser Bauabschnitt wird vor allen anderen zeitlich vorgezogen, da die fehlende Standsicherheit der Betonelemente zu schnellem Handeln zwingt.

 

 


Am nördlichen Ende des BürgerparksIn Pankow erreicht die Panke noch den Bürgerpark. Hier stand einst ein Herrenhaus, das auf den Mauern einer Papiermühle errichtet wurde. In diesem Park befand sich bis 1926 sogar ein Badestrand. Hier ist ebenfalls Platz für eine Aufweitung des Flussbetts, wenn ein ufernaher Weg aufgegeben wird.

 



Gerade weil nicht auf dem gesamten Pankelauf neue Wege für die Panke hergestellt werden können, erhoffen sich die Planer viel von der Strahlwirkung: an einzelnen Abschnitten werden große naturnahe Umgestaltungen vorgenommen, während an den dazwischen liegenden Ein Rückhaltebecken, das zu einer Aue werden könnte (Grenze Pankow/Wedding)Bereichen nur kleinere Maßnahmen erfolgen können. Anderen Nutzungen wird dadurch ebenso Rechnung getragen wie dem zukünftigen Ökosystem Panke.

Wie an einer Perlenkette aufgereiht sollen möglichst auf landeseigenen Flächen ökologische Schwerpunkte entstehen. An den dazwischen liegenden Abschnitten soll hingegen die so genannte Mindesthabitatausstattung für kleine, aber wirkungsvolle Verbesserungen sorgen. Insgesamt, so das Kalkül der Experten, kann es aber gelingen, den Fluss ökologisch aufzuwerten.

 

 

 






Herbststimmung nördlich des FranzosenbeckensBis 1989 scherte sich die Panke wenig um die Berliner Mauer, die sie an der Nordbahn zwischen Wedding und Pankow unterquerte. Auf dem ehemaligen Mauerstreifen hat man nach 1990 ein großes Rückhaltebecken angelegt.
Hier soll eine große Flusswindung entstehen, da viel Platz zur Verfügung steht.
Nur wenige hundert Meter flussabwärts befindet sich eine weiteres Rückhaltebecken, das das Eingangstor zur geschlossenen städtischen Mietskasernenbebauung Berlins darstellt. Die Planer haben es wegen des benachbarten Französischen Friedhofs "Franzosenbecken" genannt.

 

 

 

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Auch hier kann auf einer größeren Fläche ein windungsreiches Flussbett mit angrenzendem Feuchtgebiet geschaffen werden, wobei die Planungen hier einen Steg mit Naturerlebnispfad vorsehen. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass das Areal im dicht besiedelten Wedding auch eine Naherholungsfunktion besitzt. Der jetzige Verlauf der Panke hinter einem Damm soll aufgegeben werden; der Damm müsste an zwei Stellen durchstochen werden.

 

 

 

 

Die Badstraße überquert die Panke auf Höhe der einstigen HeilquelleNach dem Zweiten Weltkrieg hat man die Weddinger Panke, die früher nur an Hinterhäusern und Fabriken vorbeifloss, in einen durchgehenden Grünzug eingebettet. Trotzdem, wie auf fast ihrem gesamten Verlauf, gilt die Panke hier als stark geschädigt und fällt somit in die Gewässergüteklasse 7. Von einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt kann in dem eingeschnürten und mit Uferspundwänden versehenen Fluss nicht mehr die Rede sein. Trotzdem hoffen die Planer, das Profil des Flusses aufzuweiten, auch wenn dies auf Kosten von Rasenflächen geht. Wo auch dies nicht möglich ist, zum Beispiel auf den vollständig eingemauerten Abschnitten an der Gropiusstraße und an der Gerichtstraße, tritt die Natur zugunsten der Gebäudesicherheit an den ,Ufern zurück. Durch Sandaufschüttungen, Steinen und Totholzablagerungen kann aber auch an diesen Stellen ein Rückzugsraum für bestimmte Tiere und Pflanzen geschaffen werden.



Zwischen Bibliothek am Luisenbad und Tresorfabrik Arnheim ist genug Platz für einen NebenarmSogar in diesem dicht besiedelten Teil Berlins gibt es noch Raum für einen neuen Nebenarm oder kleine Auen. Am Luisenbad, wo sich einst eine Heilquelle mit angeschlossenem Kurbetrieb befand , planen die Experten einen trockengefallenen Altarm mit der Panke zu verbinden, selbst wenn dies nur auf Kosten der alten Bäume auf diesem Abschnitt gelingen dürfte.

 

 

 

 


Zwischen Pank- und Wiesenstraße ist genug PlatzSchon einmal haben weit reichende Veränderungen das Gesicht des Pankekiezes im Wedding verändert. Heute ist es kaum vorstellbar, dass an der Wiesenstraße im Jahr 1929 auf Demonstranten geschossen wurde und 19 Menschen ums Leben kamen. Unter dem Namen „Roter Wedding“ war das einst dicht mit Mietskasernen besiedelte Gebiet einst bekannt. In erbärmlichen Umständen lebten tausende Menschen, und der stark verschmutzte Fluss in diesem Viertel war allenfalls als „Stinkepanke“ verschrieen. Die meisten Altbauten wurden im Sanierungswahn der Nachkriegszeit beseitigt, und rund um die begradigte und kanalisierte Panke befinden sich langgestreckte Grünanlagen.

 

 

 

Eine letzte Barriere: der Absturz am NordhafenHeute bietet sich die Chance, dass der naturnah zu gestaltende Fluss die Lebensqualität entlang der Panke weiter erhöht. Trotzdem sind die Interessenkonflikte, die sich bei einem Stadtfluss zwangsläufig ergeben, eine Unwägbarkeit bei den ökologischen Planungen. Die Vermüllung des Flusses ist ein allgegenwärtiges Phänomen im innerstädtischen Pankeabschnitt, wo die Panke heute schnell abfließt. An der Schulzendorfer Straße hat man ein Rechenwerk gebaut, das den größten Unrat auffängt.

 

 

 

 


Ein moderner Park am heutigen Ende der PankeAn dieser Stelle verlässt die Panke ihr angestammtes Flussbett und fließt in den im 17. Jahrhundert angelegten Schönhauser Graben. Dieser diente einst als schiffbare Verbindung zur Spree. Bis zum Schloss Schönhausen sollten die Kähne fahren können, aber die Schiffbarkeit der Panke ist nie vollendet worden. Ein Wohnhaus wurde in den 1980er Jahren über der Panke errichtet, und bis zu ihrer Mündung in den Nordhafen im Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal muss der Fluss auf seinen letzten Metern noch die U-Bahn unterqueren und eng eingeschnürt an Funktionsbauten vorbeifließen.

 

 

 


Zwischen Veterinärmedizin und Reinhardtstraße
Der historische Altarm hingegen, der an der Schulzendorfer Straße in ein Rohr abzweigt, wird Zug um Zug freigelegt und in ein durchgehendes eigenes Grünkonzept eingebunden. Die alte Panke, heute meist Südpanke genannt, gehört nicht zum Maßnahmenpaket „Panke 2015“ und soll nicht wieder naturnah werden. Dennoch haben die frei liegenden Abschnitte, die erstaunlich idyllisch in das Gelände der ehemaligen Tierarzneischule bei der Charité eingebettet sind, ihren ganz besonderen Reiz. Zu guter Letzt endet der Altarm fast unsichtbar in einer Ufermauer am Berliner Ensemble. Die Mündung der Panke an der Friedrichstraße hat der Berliner Volksmund im Satz „Schiffbauerdamm Nummer zwee mündet die Panke in die Spree“ verewigt.




 

 

 



Fazit:

Mit der weit reichenden ökologischen Umgestaltung eines ausgeprägten, vollständig vom Menschen überformten Stadtflusses wie der Panke betreten die Planer Neuland. Die Aufgabe der Planer liegt nicht nur darin, ein Stück Stadtnatur zu schaffen. Auch wie die Stadtbewohner mit ihren unterschiedlichen Interessen mit einem naturnahen Fluss umgehen werden, birgt enormes Konfliktpotenzial. Die Verbesserung des ökologischen Zustands der Panke endet daher nicht mit dem Abschluss der Bauarbeiten. Es wird ebenso wichtig sein, ein Unterhaltungs- und Pflegekonzept für die städtischen Abschnitte zu entwickeln. Darin liegt die zweite, ebenso große Herausforderung.


Weiterführende Informationen:

- auf panke.info:

Berichte über die Beteiligungswerkstätten und die "Tage der Panke" im Mäander-Magazin

- auf externen Seiten:

Website der Senatsverwaltung

Bestellung des PC-Spiels "Gerade war gestern" über die Umgestaltung der Panke auf CD

Artikel in der TAZ über die Planungen an der Panke