Die Panke als naturnahes Gewässer - wie sich die Mentalitäten verändern


Die EU-Wasserrahmenrichtlinie stellt eine Abkehr von der bisherigen Auffassung dar, welche Funktionen Gewässer haben sollen. Die Panke als besonders stark durch den menschlichen Einfluss  überformtes Gewässer wurde als Modellvorhaben für die Umsetzung dieser Richtlinie ausgewählt – aus gutem Grund….

Eingeschnürt, vertieft und von Uferwänden eingefasst: so kann man die Panke als stadtnahes Gewässer auf dem größten Teil ihres Laufes erleben. Zwar ist durch den Wegfall der ufernahen Industrie, der Gerbereien und Färbereien sowie durch das Ende der Verrieselung der Berliner Abwässer die Funktion der Panke als Ableiter für Schmutzwasser entfallen; jedoch ist die Panke in
den letzten Jahrzehnten - vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden Hochwasserproblematik aufgrund der immer weiter zunehmenden Siedlungsfläche -  in erster Linie als Regenwasserableiter genutzt worden. Der Nordgraben, der in den 1930er Jahren zu diesem Zweck angelegt wurde, vermag große Teile eines Hochwassers bereits ab Blankenburg in Richtung Tegeler See aufnehmen. Im Normalfall fließt nur ein geringer Teil des Panke-Wassers durch den Nordgraben ab. Südlich des Bürgerparks und nördlich der Stockholmer Straße wurden in den letzten dreißig Jahren zwei zusätzliche Rückhaltebecken angelegt, die in erster Linie dem Schutz vor den einst gefürchteten Panke-Hochwassern dienen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Panke zumindest auf ihren Weddinger Abschnitten in eine Grünplanung eingebunden. Mit Mitteln des Marshallplans wurde ein fast durchgehender Grünzug angelegt, der die meist in Spundwände eingefasste Panke begleitet. Dabei kann man den Fluss mit etwa vier Metern unter dem Stadtniveau als eingeschnittenes, geradliniges städtisches Gewässer erleben. Damit ist der Fluss zwar Teil einer Grünfläche, es kann aber von einem naturnahen Gewässer keine Rede sein.

Auf nahezu ihrem gesamten Verlauf von 18 km auf Berliner Stadtgebiet existiert praktisch kein eigener Uferbereich der Panke. Statt dessen zwängen Holzpfosten, Betonwände oder verklinkerte Spundwände den Fluss ein. An der Chausseestraße wurde gar über ein Wohnhaus über die Panke gebaut, während nur wenige Meter flussabwärts, kurz vor der Mündung in den Nordhafen, der Fluss vollständig überdeckelt ist.

Der Hochwasserschutz ist bei einem Gewässer, das insgesamt 150 Einleitstellen der Kanalisation und acht Mischwassereinleitstellen am Unterlauf besitzt, aus wasserwirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Der Charakter des gradlinigen Flusses mit nur wenigen Rückhalteflächen führt jedoch dazu, dass die Abflussgeschwindigkeit bei Hochwasser für kurze Zeit sehr stark ansteigen kann.

Die immer weiter zunehmende Versiegelung der Flächen im 201 qkm großen Einzugsbereich verschärft die Hochwassergefahr noch zusätzlich.

Lebensraum Panke?


Gewässerökologisch kann die Panke auf ihrem gesamten Lauf als so stark überformt und verändert angesehen werden, dass man schlichtweg von einem durchgehend schlechten ökologischen Zustand sprechen kann. Es gibt nur wenige Fische und Fischarten - die Panke ist wegen ihrer Querbauwerke nicht durchgängig für Fische, und mit ihren fehlenden Ufern und Rückzugsbereichen sowie einer gleichbleibenden Strömung ist es für Fische und Pflanzen schwierig, sich dort anzusiedeln. Lediglich Polster aus Wasserpflanzen kommen in der Panke häufig vor. Um wieder mehr Fische anzusiedeln, werden Kies- und Sandbänke, Flachwasserzonen, Totholz und strömungsberuhigte Uferbereiche benötigt.

Die Gewässerqualität variiert an verschiedenen Stellen – so gibt es eine gewisse Überbelastung mit organischen Stoffen und Nährstoffen.


Was wird dagegen getan? 


Einer umfassenden Umgestaltung der Panke hin zu einem naturnahen Gewässer sind durch die stadträumliche Situation des Flusses enge Grenzen gesetzt. Der Platzbedarf für ein natürliches Fließgewässer mit zahlreichen Mäanderbildungen, ständigen Wandlungen und Verschiebungen der Habitatzonen für Pflanzen und Tiere lässt sich, zumal in einer Millionenstadt, nicht konfliktfrei umsetzen. Dem stehen sowohl der geforderte Hochwasserschutz als auch die baulichen Beschränkungen entgegen.

Daher wird für das Pilotprojekt Panke 2015 ein Modell umgesetzt, das letztlich einen Kompromiss darstellt: einzelne Abschnitte sollen durch umfassende Umgestaltungen ökologisch aufgewertet werden, während die dazwischen liegenden Verbindungsstrecken mit kleineren Maßnahmen eine größere Lebensraumvielfalt erhalten. Die Planer hoffen so, mit diesen Schwerpunktsetzungen eine Strahlwirkung zu erreichen, die das Gewässer insgesamt aufwertet. Dies entspricht auch den neuesten Erkenntnissen über ökologische Zusammenhänge.