Architektur an der Panke

Direkt an der Panke oder in ihrer Nähe gibt es auch einige architektonische Schmuckstücke zu besichtigen. Von Barock bis Gründerzeit, von „Bauhaus“ bis Postmoderne ist alles dabei…

Die kleine Auswahl an sehenswerten Gebäuden oder städtebaulich bemerkenswerten Ensembles ist von der Quelle bis zum Unterlauf der Panke sortiert.

Architektur an der Panke 

Schlosskirche Buch Neu Karow Französisch Buchholz Amalienpark Portal des Bürgerparks Nordbahn Viertel Siedlung Brunnenhof Bibliothek im Luisenbad Sankt Pauls Kirche Rota Print Fabrik ADGB Bundesschule Bernau

BB: Bundesschule des ADGB Bernau (1930)

BundesschuleIm Bernauer Ortsteil Waldfrieden an der Fritz-Heckert-Str. 43 steht die von 1928 – 30 als Weiterbildungsstätte des ADGB (Allg. Dt. Gewerkschaftsbund) gebaute Bundesschule. Nach Plänen des in der "Bauhaus"-Hochschule lehrenden Architekten Hannes Meyer entstand dieses sehr weitläufige und aufgelockerte Gebäudeensemble. Bewusst sollten die Gewerkschaftsfunktionäre in einer naturnahen, gesunden Umgebung ausgebildet werden. 1933 wurde die Gewerkschaftsschule von den Nazis geschlossen und für NSDAP-Zwecke benutzt. Ab 1947 war der Gewerkschaftsbund der DDR (FDGB) Hausherr. Ab 1951 firmierte die Schule als Gewerkschaftshochschule Fritz Heckert. Nach der Wende wurde das Gebäude von 1991-98 als Fachhochschule für öffentliche Verwaltung des Landes Brandenburg genutzt. Danach stand es lange leer, bis die Handwerkskammer Berlin es 2001 erwarb und bis 2005 sanierte.

Link: Website des Baudenkmals  Artikel zur Architektur 

SB: Schlosskirche Buch 1736

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Über dem Schlosspark Buch, dem das Schloss 1964 durch Abriss abhanden kam, steht die barocke Schlosskirche mit ihren markanten roten Seitenwänden und weißen Säulen. Sie wurde 1731-36 auf Veranlassung des Gutsherren von Viereck nach Plänen von Friedrich Wilhelm Diterichs gebaut. Ihr Grundriss ist kreuzförmig, die Grundform ist ein Zentralbau. Beachtenswert ist der Portikus mit vier Säulen. Um die Kirche herum erstreckt sich ein kleiner Friedhof. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche ohne ihren Turm wieder aufgebaut, wobei die Rekonstruktion erst 2000 abgeschlossen werden konnte.  Heute gehört die Kirche zu den wenigen noch erhaltenen Barockbauten auf dem Berliner Stadtgebiet.

NK: Neu-Karow 1992-1997 

Schule und Wohnhaus in Karow NordDie ehrgeizigen Pläne des Berliner Senats, nach der Wiedervereinigung kurzfristig bis zu 100.000 neue Wohnungen zu bauen, wurde bereits ab 1992 nordöstlich des Ortsteils Karow realisiert. Dort waren für das DDR-Wohnungsbauprogramm Flächen zur Bebauung vorgesehen worden. Schnell avancierte das Projekt "Karow-Nord" zu einem städtebaulichen Vorzeigeprojekt. Nach einem Masterplan der für ihren postmodernen Stil bekannten amerikanischen Architekten Moore, Ruble und Yudell wurde eine vergleichsweise dichte Bebauung mit vier Grundtypen vorgenommen. Diese reichten von der Stadtvilla bis zur klassischen Blockrandbebauung. Insgesamt 5000 Wohnungen wurden von 20 Architekten errichtet. An der Landstraße nach Buch wurde ein Stadtzentrum angelegt, das den kleinstädtischen Charakter unterstreichen sollte. Die Anbindung an die nahegelegene S-Bahn-Strecke war von vornherein vorgesehen, wurde bis heute aber nicht realisiert. Von architektonischen Fehlgriffen abgesehen wirkt die Siedlung heute angesichts ihrer Lage in der Peripherie überdimensioniert – die in der Wiedervereinigungseuphorie angenommenen Einwohnerzahlen wurden in Berlin niemals erreicht. Das allzu Urbane von Neu-Karow, einst als "städtische Exklave" am Stadtrand konzipiert, wirkt wie ein Spiel mit Bauklötzen am ländlichen Stadtrand.

FB: Französisch-Buchholz West (1994) 

Französisch BuchholzNeben dem Dorfkern von Französisch-Buchholz ist ab 1994 ein Neubaugebiet mit 3000 Wohnungen entstanden. Von diesen sind 1100 Wohnungen im sozialen Wohnungsbau errichtet worden. Die Siedlung entstand nach dem städtebaulichen Entwurf der Architekten Engel und Zillich sowie der Landschaftsarchitektin Kossel. Dabei orientierte man sich an der historischen Parzellenstruktur der hugenottischen Gärten. Schließlich sind die Hugenotten der Grund dafür, dass Französisch-Buchholz diesen Ortsnamen trägt. Nach wichtigen hugenottischen Familien sind denn auch die Straßen im Neubauviertel benannt. Das Siedlungszentrum ist der dreieckige Hugenottenplatz. Die Gebäude sind maximal fünf Geschosse hoch. Insgesamt wirkt die Siedlung nicht ganz so homogen wie das naheliegende Wohnungsbauprojekt Neu-Karow. Der Ortskern von Buchholz grenzt an die Siedlung unmittelbar an, ohne dass ein allzu großer Bruch mit der ländlichen Struktur entstanden ist. Auch die Verkehrsanbindung der Siedlung ist vorbildlich: im Jahr 2000 erhielt das Neubaugebiet eine Straßenbahnstrecke.

AP: Wohnanlage Amalienpark (1897)

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Etwas ganz anderes als die typischen Mietskasernen oder auch die eleganteren Gründerzeitviertel hat man in der noch selbständigen Landgemeinde Pankow im Jahr 1897 gebaut. Nach englischem Vorbild entstand dort der Straßenzug "Amalienpark". Für die Architektur zeichnete Otto March verantwortlich, der Mietwohnungen baute, die in ein gärtnerisch gestaltetes Umfeld einbezogen wurden. Die neun Doppelhäuser gruppieren sich hufeisenförmig um den zentralen Park mit altem Baumbestand, der von der Breiten Straße aus erreichbar ist. Dem englischen Landhausstil nachempfunden sind die Häuser mit ihren Loggien, die 1992 von einer Stiftung erworben und durch Sanierung in ihren Ursprungszustand versetzt wurden. Ein im Zweiten Weltkrieg zerstörtes Haus wurde an gleicher Stelle wieder aufgebaut.

Link mit Bildern: Website des Eigentümers

 

 

 

 

BP: Bürgerpark-Portal (ca. 1870)

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Eine der Hauptsehenswürdigkeiten Pankows ist das Portal des Bürgerparks an der Wilhelm-Kuhr-Straße. Der im Privatbesitz des Baron Hermann Killisch von Horn befindliche Park erhielt damit um 1870 herum einen repräsentativen Haupteingang. Das dreigliedrige Tor im Stil der Renaissance ist mit Skulpturen reich geschmückt. In der Mitte befindet sich ein höheres Tor, das bis 1925 als Zufahrt diente, während links und rechts für die Fußgänger niedrigere Zugänge vorhanden sind. Das Tor wurde zuletzt 2007 zum 100 jährigen Jubiläum des Bürgerparks renoviert und in einem rosa Farbton gestrichen. Selbst das Torgitter ist noch aus der Ursprungszeit des Tores. Neben dem Tor wurde ein Torhaus im französischen Barockstil errichtet, in dem der Obergärtner wohnte. Dahinter, auf dem sich anschließenden Gemeindefriedhof, befindet sich ein Mausoleum mit dem Grab des Parkgründers. 

NV: Nordbahnviertel (um 1900)

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wies die Gemeinde Pankow ein Baugebiet südwestlich des bebauten Ortsgebiets, rund um den Pankower Bahnhof an der Nordbahn aus. Zunächst als Villensiedlung geplant, wurde dann doch eine geschlossene Blockrandbebauung realisiert. Im Mittelpunkt des Nordbahnviertels wurde ein Schmuckplatz (Sternstraße Ecke Kattegatstraße) angelegt. Dieser weist die ungewöhnliche Form eines um 45 Grad gedrehten Quadrats auf. Das in der Platzmitte angelegte Rondell wurde bald entfernt. Die Sternstraße ist auf das Empfangsgebäude des Bahnhofs ausgerichtet, wo sie in einem halbrunden Platz an der Nordbahnstraße endet. Zahlreiche Gebäude in diesen vier Straßenblöcken sind denkmalgeschützt und strahlen noch heute einen eleganten, vorstädtischen Charme aus. Der Charakter des Viertels ist jedoch durch zahlreiche Rückbauten und bauliche Veränderungen beeinträchtigt worden. Besonders sehenswerte Gebäude: Kattegatstr. 5, Nordbahnstraße 9, Schulgebäude Kattegatstr. 26, Wollankstr. 96 – 96 B. 

 

 

 

 

BR: Siedlung Brunnenhof (1930)

Siedlung BrunnenhofAn der Heubuder Straße führt eine hölzerne Brücke über die Panke. In den dahinter liegenden Wohnblöcken ist 1925-30 nach Plänen des Architekten Rudolf Maté die Siedlung "Brunnenhof" entstanden. Schrittweise gehen die Gebäude von der Traufhöhe der Mietshäuser in eine niedrigere Bebauung über, auch wenn die Siedlung nicht fertiggestellt wurde. Zeitlos modern ist die abwechslungsreiche Gestaltung aus verklinkerten Bändern und weiß verputzten Stellen. Dadurch entsteht eine Betonung der Horizontalen und der Vertikalen, die typisch ist für den Stil der Neuen Sachlichkeit.

 

 

 

LB: Bibliothek im Luisenbad (1905/1995)

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Eigentlich heißt das Gebäudeensemble an der Panke "Marienbad" und stammt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, als sich das Areal des früheren Heilbads am Gesundbrunnen zu einem Ausflugsgebiet entwickelt hatte. Die Vergnügungsstätte wurde von Carl Galuschki betrieben. Die erhaltenen Gebäudeteile waren das Vestibül des Tanzsaals von 1905 und ein reich verziertes Wohn- und Verwaltungsgebäude. In den 1970er Jahren entgingen die Bauwerke nur knapp der Abrissbirne. 1986 wurde der Rest des Marienbades baulich gesichert und stellte die Grundlage eines Bibliotheksneubaus für den Bezirk Wedding dar. Die amerikanischen Architekten Niess und Chestnut errichteten ein Gebäude mit unterirdischem Lesesaal, ohne die historische Bausubstanz zu zerstören. Der Charakter des Neubaus, der 1995 fertiggestellt wurde, ist dennoch modern. So ist eine gelungene Mischung aus verschiedensten Stilrichtungen entstanden, die in diesem Stadtteil beispiellos ist.

SP: Sankt-Pauls-Kirche (1835)

St. PauslkircheKarl Friedrich Schinkel errichtete vier Kirchenbauten im Berliner Norden, die heute noch teilweise erhalten sind oder wiederaufgebaut wurden: die Alte Nazarethkirche am Leopoldplatz, die St.Johanniskirche in Alt-Moabit, die St.Elisabethkirche an der Invalidenstraße.  Nahe der Panke, in der Badstraße 50/51, Ecke Pankstraße 53, befindet sich die St.-Pauls-Kirche, die 1832-35 im klassizistischen Tempelstil errichtet wurde. Der Campanile wurde erst 1890 von Max Spitta hinzugefügt, der Gemeindehaus-Anbau stammt wiederum aus dem Jahr 1911. Die Kirche brannte 1945 aus und wurde außen bis 1957 wieder hergestellt. Der Innenraum wurde 1952-57 durch Hans Wolff-Grohmann modern gestaltet und steht als Zeugnis der Architektur der 1950er Jahre unter Denkmalschutz. Vor der Freitreppe der Kirche steht ein Kriegerdenkmal.

 

 

 

 

RF: Rotaprint-Fabrik (1957-59)

- es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Zwischen der Uferstraße an der Panke und der Gottschedstraße erstreckte sich die Rotaprint-Fabrik. Erst in jüngerer Vergangenheit erfolgte ein Teilabriss der Fabrikgebäude. Besonders markant ist das Eckgebäude an der Bornemannstraße 9-10/Ecke Gottschedstraße, erbaut von 1957-59 von Klaus Kirsten. Auch die Lehrwerkstatt, die man nur aus der Ferne von der Reinickendorfer Straße sehen kann, ist stilistisch gewagt. Der Architekt orientierte sich streng am Ideal der Moderne, wobei es ihm dennoch gelang, ältere Fabrikgebäude geschickt zu respektieren. In Sichtbeton ausgeführt, wirken die Bauten mit seinen in sich verschachteltenden Ebenen brutal und verstörend. Dazu trägt sicher auch der sanierungsbedürftige Zustand der Gebäude bei. Auch das verglaste, repräsentative Quergebäude am Ende des Hofinnern verdient eine besondere Erwähnung. Heute wird das Gelände von einer gGmbH (ExRotaprint) genutzt.

 

 

 

 

 

Extra: Umspannwerke Scharnhorst und Christiania

Umspannwerk ScharnhorstDas Umspannwerk Scharnhorst an der Sellerstraße 16-26 ist ein markanter Ziegelbau aus dem Jahr 1929, erbaut von Hans Müller für die BEWAG. Interessant ist der expressive Westteil. Von dem auf dem Dach befindlichen Glasturm wurde je nach den Lichtverhältnissen entschieden, wann die Straßenbeleuchtung Berlins ein- und ausgeschaltet werden konnte. Nach einer umfassenden Sanierung dient es heute als Bürogebäude des Eigentümers Vattenfall.

 

Im Wedding gibt es vom gleichen Architekten das kleinere, aber nicht minder ungewöhnliche Abspannwerk Christiania (Osloer Str. 16/17, Prinzenallee 71) aus dem gleichen Jahr, das durch seine gotisierenden Formen auffällt. Dieses Gebäude bildet das markante Eckgebäude eines dicht bebauten Straßenblocks. Es wird derzeit als kulturwirtschaftliches Zentrum genutzt.